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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Zweiter Abschnitt. Geschichtschreibung. 127

Chronicon Altinate dar. So wenig diese italienischen Geschichtsquellen inder Form genügen, so wichtig sind sie doch ihrem Inhalt nach. Hieranschließen sich die Werke über Zeitgeschichte, zu denen wir auch die An-nalen rechnen. Diese Werke beginnen zwar meist mit einem Überblicküber die Vorzeit oder gehen, wie die Annalen, meist auf die Frühzeit zurück,aber im Vordergrunde des Interesses steht die Gegenwart, die vielfach einesehr eingehende Darstellung empfängt. Hierher gehören zunächst die WerkeLiudprands von Cremona, der in seiner Antapodosis die Geschichte Italiensbis zu Ottos I. Kaisertum schildert, in den Gesta Ottonis die Politik desKaisers rechtfertigt und in der Relatio eine karikierte Schilderung vombyzantinischen Hofe gibt. Flodoard von Reims bot in seinen Annalen einenicht ganz vollständig erhaltene Fortsetzung der Annales Bertiniani bis 966und gab darin eine reichhaltige Übersicht über die Geschichte Frankreichsund Deutschlands. Richer von St. Remi bietet in seinen Historiae eine aus-führliche, vvenn auch oft legendenhafte Geschichte Frankreichs bis 995, dieeinen hohen Wert besitzt. Die Geschichte des ottonischen Hauses, besonders dieKlosterpolitik Heinrichs IL, erzählen in ziemlich breiter Weise die Annalen vonQuedlinburg, die außerdem polnische und böhmische Verhältnisse öfters be-rühren. Die Verhältnisse in den Niederlanden schildert eingehend Alperts Werküber den Wechsel der Zeiten, das sich mit den Menschen der Gegenwart be-schäftigen will. Dagegen kommt in den Annalen von Hildesheim die ZeitKonrads IL zu ausführlicherer Darstellung. Eine ganz eigenartige Zeitgeschichtebieten die Historien des Rodulfus Glaber, der sein Werk aus einer Unzahl vonAnekdoten und Einzelzügen, aus Wundern und Visionen, theologischen Ab-handlungen und moralischen Ergüssen zusammensetzt und daraus eine Ge-schichte Frankreichs und Deutschlands herleitet. Von großem Werte hin-gegen ist die Geschichte der Gegenwart, die sich in den Annalen vonOberaltaich findet, denn es zeigt sich hier eine sachliche und ruhige Dar-stellung der Ereignisse aus der Zeit, da der große Kampf zwischen Kircheund Staat soeben einsetzte. Sehr bedeutende Werke hat endlich die bio-graphische Tätigkeit aufzuweisen. Daß das Leben hervorragender Männer,der Fürsten, der Bischöfe und Äbte, dargestellt wurde, war ja nichts Neues,aber neu ist in unserm Zeitraum die besondere Vorliebe, mit der man dieBiographie pflegte. Das ist nicht zu verwundern, denn die Zeiten derOttonen und der Salier brachten ja eine große Anzahl bedeutender Kirchen-fürsten hervor, auf die die Herrscher bei der geringen wissenschaftlichenBildung des Laienadels ihre Regierung stützen mußten. Und so erklärt essich, daß die Lebensbeschreibungen vornehmer Kleriker durchaus über-wiegen, die der Laien fast ganz zurücktreten. Vielleicht hängt das auchdamit zusammen, daß die Laien sich aus solchen Biographien, die ja ausgeistlicher Hand kommen mußten, sehr wenig machten. Mochte das böseGewissen hieran oft schuld sein oder war es unserm Adel gleichgültig, obsein Andenken nach dem Tode von geistlicher Seite in den Himmel ge-hoben wurde, er scheint jedenfalls gern darauf verzichtet zu haben.Aber es war schwierig, ein Fürstenleben zu beschreiben, und es gehörtennur sehr tüchtige, lebens-und schreibgewandte Männer dazu, die die mancherleiRücksichten nehmen konnten, die hierfür nötig waren. Noch zur früheren