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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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126 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Bischofs Wazo hinausläuft. Den Versuch einer urkundlichen Geschichte desPatriarchats Grado gab ein Kleriker der Kirche zu Grado, er ist aber überden Versuch nicht hinausgekommen. Eine ausführliche Darstellung desStreites des Bistums Hildesheim mit dem Kloster Gandersheim verfaßteganz im bischöflichen Sinne Thangmar von Hildesheim und hat sie späterseinem Leben Bernwards einverleibt. Der Mönch Alpert gab eine Geschichtedes Bistums Metz, von der sich aber leider nur ein kleiner Teil erhielt. Inder Geschichte des Bistums Cambrai aber erhalten wir eine sehr ausführ-liche und meist sorgfältige Darstellung, die wie Flodoards Werk weit.überdie eigentlichen Grenzen des Bistums hinausreicht und auf die Reichs-geschichte übergreift. Eine wenig geschickt angelegte Darstellung über dieälteren Verhältnisse im Bistum Verdun gab Bertarius, dessen Werk später einMönch von St. Vannes und im Jahre 1144 Laurentius von Lüttich fortsetzte.Höchst bedeutend wieder ist die Geschichte des Erzbistums Hamburg-Bremenvom Domherrn Adam, der in einer geradezu vorbildlichen und für diese Zeiteinzigen Weise nicht nur die innere, sondern auch die äußere Lage des großenErzstiftes ausführlich schilderte und von den Hauptpersonen, besonders vonErzbischof Adalbert, ausgezeichnete Charakteristiken gab.

Ein weiteres Ziel steckte sich die Landes- und Reichsgeschichte,die die Ereignisse darstellte, die sich innerhalb der Grenzen einzelnerStämme, Länder oder Reiche zutrugen. Mehr eine stilistische Leistungals eine eigentliche Geschichtsdarstellung gab Aimoin in seiner HistoriaFrancorum, die nur bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts reicht und auseiner nicht immer geschickten Gruppierung geographischer und histo-rischer Quellenstücke besteht. Wenig später schrieb der Mönch Dudo vonSt. Quentin eine Geschichte der Normannen, die freilich nur auf sehr naiveund kritiklose Leser berechnet ist, aber bei dem Fehlen anderer Quellenimmerhin Wert besitzt. Dagegen haben wir in der Chronik des Merse-burger Bischofs Thietmar eine ungemein reichhaltige Landesgeschichtevon Sachsen, seinen Markgebieten und den östlichen Ländern. Ademarvon Chabannes schrieb in Anlehnung an ältere Quellen und an die großenLorscher Annalen eine ganz unselbständige fränkische Reichsgeschichte, dieim dritten Buche in eine Geschichte Aquitaniens übergeht. Eine ganz selt-same Darstellung aber lieferte ein Mönch von Novalese in seiner Chronik,die sich über Norditalien und Burgund verbreitet und der Sage weitläufigenSpielraum gibt. Hieran reihen sich die chronikalischen Werke, die voneinem örtlichen Mittelpunkt ausgehen und ihre Blicke weithin wenden, sodaß sie Lokal- und Landes- wie Volksgeschichte miteinander verbinden. Einsolches Werk lieferte Benedikt aus St. Andreas auf dem Sorakte, das aller-dings in einer geradezu auffällig schlechten Sprache verfaßt ist, gegenwelche die der Novaleser Chronik noch gut erscheint. Auch ein Mönchvon St. Benedikt in Salerno, der sich hauptsächlich über die langobardischenFürstentümer verbreitet, steht mit der Grammatik auf sehr gespanntemFuße. Ein Johannes Diakonus verfaßte eine Chronik Venedigs mit stetemAusblick von der weitschauenden Politik dieser Stadt auf das kaiserlicheHaus der Ottonen. Mehr eine Materialsammlung für die Geschichte derStadt und des Staates Venedig als eine eigentliche Geschichte stellt das