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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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118 Geschichte, der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Für die Mönche von Stablo aber habe er eine vortreffliche Erklärung zumMatthäusevangelium verfaßt, in deren Prolog er verspreche, auch einesolche zum Johannes schreiben zu wollen, doch sei es nicht sicher, ob erdiesen Plan ausgeführt habe; jedenfalls aber habe er einen Lukaskommentarverfaßt. Diese Nachrichten des sonst gut unterrichteten Mönches vonPrüfening beruhen wahrscheinlich auf Verwechselung mit einem andernMönche von Stablo. Gegen Berengar aber verfaßte Guitmund eine ausführ-liche Streitschrift, deren Hauptinhalt hier in kurzem zu erörtern ist.

Die Schrift De corporis et sanguinis Christi veritate in eucharistia istein Dialog Guitmunds mit dessen Freund Roger, von dem er gegen dieTorheiten Berengars zu schreiben aufgefordert zu sein im Vorworte kund-gibt. Roger bittet ihn, ihm auf seine Vorwürfe gegen Berengar das zuantworten, was er aus dessen Werken, aus den Fragen andrer Menschenund endlich aus seinem eignen Geiste heraus zu entgegnen für billig finde.Guitmund beginnt mit einem sehr scharfen Angriff gegen Berengars Lebenin jungen Jahren, gewiß nicht ohne einseitige Übertreibungen, wie schonoben bemerkt wurde; er habe sogar die rechtmäßige Ehe und die Kinder-taufe beseitigen wollen und Roger möge nur hierfür den Brief des Lüt-ticher Bischofs l ) an den König Heinrich von Frankreich einsehen. Endlichhabe er die Wirklichkeit des Leibes Christi beim Abendmahl geleugnet unddie Geschichte dieser Häresie solle Roger erfahren. Nun bringt Roger selbstBerengars Abweichungen von der Kirchenlehre vor und bittet Guitmund,sich darüber zu äußern. Dieser unterscheidet mehrere Auffassungen derBerengarianer 2 ) und wendet sich gegen des Meisters Wort natura nonpatitur(nämlich die Verwandlung) und begegnet dem Einwände von den tausendgleichzeitigen Messen und der unmöglichen Teilbarkeit vom Leibe Christi.Dann kommt er auf die Täuschungen der Sinne zu sprechen 3 ) und sagt,daß die Sinne kein ungetrübtes Urteil über die Dinge fassen könnten, überdie sie sich täuschten, wie z. B. jedem gesunden Esser bei großem Hungerauch Bitteres süß erscheine oder wie jede Dirne dem sehr schön vorkomme,der heftige Liebe zu ihr empfinde, und wie ein ins Wasser gestoßenes Ruderzerbrochen aussehe und herausgezogen wieder ganz erscheine. Nun stelltRoger den zweifelnden Berengar dar und bringt dessen Einwände vor, dieGuitmund alle entkräftet, worauf sich Roger allmählich überwunden gibt.Das zweite von den drei Büchern beginnt Roger mit Berengars Behauptung,der Leib Christi ist unzerstörbar, die für das Altarsakrament nötigen Dingeaber unterliegen der Zerstörung, wie die Hostie ja von Mäusen benagtwerden kann. Bei seinen Einwänden hiergegen beruft sich Guitmund aufein Wunder, das sein Lehrer Lanfranc als Knabe in Italien erlebt und ihmerzählt hatte. Er wendet sich gegen die Stercoranisten und beruft sichauf Naturkundige und Ärzte bezüglich der Verwertung von Speise und Trankim Körper. Nachdem er die von Berengar gegen die Kirche ausgesprochenenIrrlehren angeblich widerlegt hat, wendet er sich zu den Stellen aus den

') Nämlich Dietwins, vgl. oben.2 ) Hier erwähnt er einen Ausspruch Pia-tos (Migne 149, 1431 D) Plato qui verum

naturam dixit id esse quod Witt deus.

3 ) 1438 C Aeque enim, ut ait Boetius, sensuset in maximis et minimis confunduntur.