Berengar von Tours.
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Dann flicht er sechs Distichen aus Hincmars Ferculum Salomonis 1 ) und einStück aus dessen Epicolumnia ein und führt eine Stelle aus Cassiodor zuPsal. 109 an. Der vorletzte der neun Teile der Schrift ist fast ganz vonWundern ausgefüllt, die die Transsubstantiation betreffen und erst im letztenTeile kommt der Verfasser auf Berengar und seine Schicksale zu sprechen.Er erzählt, daß dieser viele Franken und Normannen zu seiner Ketzereibekehrt und 1053 selbst nach der Normandie gekommen sei 2 ) und demAbt des Klosters Preaux Ansfrid böse Ansinnen gestellt habe, wie er durchAnsfrid selbst wisse. Nach der Synode zu Briöne habe er dann bei einerZusammenkunft mit dem Klerus zu Chartres diesem auf seine Fragen nichtgeantwortet, aber einen Brief geschrieben, den er selbst gelesen habe,worin er neben anderem Törichten die römische Kirche der Ketzerei be-schuldigte und den Papst Leo persönlich beleidigte. Damals sollte zu Ver-celli eine Synode gehalten werden, doch die Ketzerei kam zu den Ohrendes Königs Heinrich und dieser hielt eine Synode in Paris, wohin aberBerengar nicht kam. Hier brachte der Erzbischof von Orleans einen BriefBerengars vor, um dessen Vorlesung er den König bat; dieser Brief seiallerdings nicht an ihn gerichtet, sondeim er habe ihn dem Boten raubenlassen, durch den Berengar ihn seinem Freunde Paulus (von Metz) sendenwollte. Und hier wurden Berengar und seine Anhänger wie die Schriftdes Johannes Scotus — es ist also "in Wirklichkeit ßatram, — aus der dieketzerischen Stellen zu stammen schienen, verdammt. — Außer dieser Schriftsind von Durand zwei Epitaphien von je sieben Distichen vorhanden, daseine auf Abt Ainard von St. Pierre sur Dive, das zweite auf Mabilia, dieGemahlin Rogers vonMontgomery; beide sind durch Ordericus Vitalis in seinerKirchengeschichte aufbewahrt worden. Durand starb am 11. Februar 1088.Ausführlich aber ist Guitmund dem Berengar gegenübergetreten.Guitmund stammte aus der Normandie und war von Lanfranc in Bec unter-richtet worden; dann trat er ins Kloster La Croix-Saint-Leufroi als Mönchein. Nach der Eroberung Englands wurde er 1066 von König Wilhelmnach England berufen, um ein Bistum zu erhalten. Er schlug diese Er-hebung aus und ging 1077 nach Italien, nachdem er im Jahre vorhereine große Schrift gegen Berengar gerichtet hatte. In Rom trat er unterdem Namen Christianus in ein dortiges Kloster ein und diente fortan dergregorianischen Partei. Um 1088 erhielt er von Urban II. das ErzbistumAversa, das er vielleicht bis 1095 besaß. Sein Todesjahr ist unbekannt.Mit diesen Angaben die Aufstellungen des Anori. Mellicensis zu vereinigenist schwer, der c. 90 (S. 84) von dem apulischen Bischof Christianus be-richtet, daß er auf siegreiche Art gegen Berengar geschrieben habe, undan andrer Stelle c. 103 (S. 90) erzählt, daß Guitmund, auch Christianus ge-nannt, im Kloster Stablo Mönch gewesen und nach seiner Wahl zum Abte,um dieser Erhebung zu entgehen, in ein unbekanntes Land gegangen seiund dort seinen Namen zu Christian geändert habe; endlich habe man ihnzur Zeit Gregors VII. entdeckt und er sei Bischof von Aversa geworden.
') Hinein. Carra. IV, 1 bei Traube, PL. 3,414 f.
2 ) Zu dieser falschen Chronologie vgl.
H. Sudendorf, Berengarius TuronensisS. 29-32.