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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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112 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

zu erwähnen, daß in den von Berengar vorgebrachten Urteilen und Schlüssender Name Sokrates eine gewisse Rolle spielt und daß S. 61, 22 Platomimdanae illiiis philosophiae gemma" genannt wird. Außer den sehr häufigangeführten Werken von Ambrosius und Augustin werden auch Cyprianund Hilarius gelegentlich genannt, von neueren Autoren neben Pascasius(Radbert) und Johannes Scotus (Ratram) auch einmal Fulbert, 1 ) von demeine unbekannte Schrift De provectu fidelium angeführt wird (S. 98, 20).So tritt hier wie sonst bei Berengar die alte Literatur sehr in den Hinter-grund, er bewegt sich als ein furchtloser Kämpfer für das als richtig Er-kannte ganz auf dem geistlichen Gebiete und hat für gelehrten Aufputzseiner Gedanken nichts übrig. Übrigens ist sein Briefstil meist äußerstkurz und gedrungen. Jedenfalls war die Schrift De sacra coena in Romnoch nicht bekannt, als Gregor VII. dem Propst Rahard von Orleans unddem Bischof Quiriacus von Nantes bei ihrer Rückreise von Rom Grüßean ihn auftrug; dazu sollte ihm Rahard mitteilen, daß Gregor einen Ver-wandten ihm zur Erziehung anvertrauen wolle. Berengar wandte sich nunin einem Briefe an den Kardinal Stephan, worin er ihn um einen schrift-lichen Befehl des Papstes an den Erzbischof von Tours und die Bischöfevon Angers und Le Mans bittet, den Wahnsinn seiner Feinde darunterist besonders Graf Fulco von Anjou zu verstehen zu bändigen; denVerwandten des Papstes werde er gern aufnehmen und man möge mitdessen Herkunft nicht zögern. Und um das Jahr 1074 wurde Berengarvielleicht von König Philipp I. von Frankreich angegangen, ihm seinen Bei-stand zu leisten, da er wegen seines sündhaften Lebenswandels ein Ein-greifen der Kirche befürchten mußte. Philipp hatte sich aber in ihm geirrt,denn Berengar schrieb ihm einen Brief voll heftiger Anklagen wegen seinesunvorbildlichen Lebens. Und auch aus einem Antwortschreiben Berengarsauf den Brief des Bischofs Hermann von Metz sieht man die hohe Geltung,in der der nun längst alt gewordene Lehrer von Tours stand. Dieser be-dankt sich nämlich für das Wohlwollen Hermanns, das sich auch darin zeige,daß er einen seiner Kleriker ihm zur Ausbildung zugeschickt habe. Etwasspäter bezeugte Berengar dem Erzbischof Joscelin von Bordeaux seineTeilnahme an dessen Suspension vom Amte und zwar mit großer Wärmeund Herzlichkeit, so daß an ein enges Verhältnis beider Männer zu denkenist. Und noch im Jahre 1077 muß Berengar die Gunst Gregors VII. besessenhaben, denn Gregor beugte durch ein Schreiben seiner Amtsentsetzung vor,die damals durch die päpstlichen Legaten in Frankreich betrieben wurde.Und obwohl ihm der Papst befohlen hatte, vor einer Synode zu erscheinen,ging er nicht dorthin und sandte deshalb einen Entschuldigungsbrief nachRom. Alle diese Zeugnisse lassen aber erkennen, daß Berengar trotz seiner

nensis) kommt in Betracht N. 2 p. 201,23Lucan 5,290. N. 10 p.214,2 Sali. Cat. 12, 2;dort N. 16 p.224,23 ein Sprichwort Amicus etmedicus in necessitate pröbantur. Plato wirdgenannt p. 61, 22 invectio tua . . . in Platonemintenditnr, mundanae Ulms philosophiae gem-mam.

') p. 98,20 nee Fulbertus episcopus, qui

seripsit de provectu fidelium: de servo milesfiet et de milite proles, et qui seeundum ido-latriam alt: per celebres actus deus est exHercule factus (Hexameter). Ein anderesZitat steht p. 105,18 unde ad quendam dic-tum legitur: nae tu aulae homo ineptus es, quimavis excusare delictum quam eavere.