Berengar von Tours.
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lektischer Begabung wohl alle Zeitgenossen übertraf. So verfaßte er einehöchst ausführliche Schrift De sacra coena, die wohl erst während desPontifikats Gregors VII. entstand. Sie hat sich in einer Weißenburger Hand-schrift zu Wolfenbüttel erhalten, besitzt aber hier weder Anfang noch Ende.Doch ist jedenfalls im Anfang nicht viel verloren, da ihr jetziger Anfangsich auf das Ende des 2. Kapitels von Lanfrancs Werk bezieht. BerengarsBuch, das von Lessing wieder aufgefunden wurde, 1 ) ist die einzige größereSchrift des Häretikers, die sich erhalten hat — alle andern sind jedenfallsvon der Kirche vernichtet worden — und daher von hoher Wichtigkeitfür die Beurteilung des Verfassers. Freilich gewährt ihr Lesen keinen be-sonderen Genuß, denn wenn auch manche Partien höchst lebendig gehaltenund andere wieder wegen ihrer dialektischen Gewandtheit anregend sind,so ist doch im ganzen der Stil höchst. eintönig und mangelhaft, da demLeser das Festhalten des Gedankens in den endlosen Satzperioden und beiden außerordentlich häufigen Wiederholungen sehr schwer gemacht wird.Die erste Hälfte des Werkes beschäftigt sich in der Hauptsache mit Wider-legung der Angriffe Lanfrancs und mit heftigen Angriffen gegen diesenwie gegen seinen Gewährsmann Radbert, wobei die Lehre des JohannesScotus (in Wirklichkeit Ratrams) in helles Licht gestellt und verteidigtwird. Dieser ganze Teil ist mehr persönlich gehalten, während die zweiteHälfte hauptsächlich eine Rechtfertigung von Berengars Lehre mit stetemHinweis auf die Schriften der Väter darstellt, woran es allerdings auch imfrüheren nicht fehlt. Neben Lanfranc wendet sich der erste Teil der Schriftaber auch namentlich gegen den „Burgunden" Humbert und gegen PapstNikolaus II. wie überhaupt gegen die Kurie und hier ist der Verfasser mitdem Ausdruck persönlicher Verachtung und mit Schimpfworten allzu frei-gebig. Vor allem zeiht er seine Feinde der größten Fehler im logischenDenken und der Unfähigkeit, die Kirchenväter grammatisch richtig zu ver-stehen, und es gewährt ihm ein großes Vergnügen, mit allerhand dia-lektischen Sprüngen sie. auf die ihnen anhaftenden Mängel aufmerksam zumachen; die endlosen Wiederholungen sind freilich langweilig genug. Sogibt er seinen Feinden, denen er oft genug vorwirft, ihn nicht verstandenzu haben, grammatischen Unterricht und läßt es an philosophischer Ge-nauigkeit in der Interpretation von Worten nicht fehlen. Im zweiten Teilegreift er Humbert und Lanfranc besonders deswegen an, weil sie deneigentlichen Sinn von Ambrosius' und Augustins Worten über die Abend-mahlslehre nicht verstanden hätten, und hier geht er mit einem sehr um-fänglichen patristischen Rüstzeug zu Werke. Gegen den Schluß hin (S. 256 ff.)bringt er eine Menge Väterstellen herbei, in denen in gleicher Weise wiebei der Eucharistie der Begriff caro oder sanguis figürlich aufzufassen ist,und er gibt dann (S. 262 ff.) eine kräftige Resolution gegen Lanfranc überdie Notwendigkeit der richtigen Erklärung Augustins. Der Stil ist, wieschon gesagt, alles andre eher als gut und durchaus nicht irgendwie klassischgefärbt, doch finden sich mehrfach Anführungen aus Horaz. 2 ) Sonst ist
1 ) Berenearius Turonensis, Braunschweig1770.
2 ) S. 25 und 27 Ep. 1,19, 42. S. 29 Ep. 2,
1, 88. 43,17 A. P. 365. 48,13 Ep. 2,1,89. 63,13Ep. 2,1,51 f. 260,7 Sat.l, 10, 14f. Aus denBriefen (beiH. Sudendorf, BerengariusTuro-