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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Berengar von Tours. 109

War er bis dahin wohl so vorsichtig gewesen, nichts Schriftliches überseine Lehre von sich zu geben, so ging er jetzt doch von dieser Gewohn-heit ab, denn Bernold berichtet, daß 1059 seine Schriften zu Rom verbranntwurden und auch sein Gegner Guitmund spricht von Schriften Berengars.Aber auch die Feinde schwiegen nicht. Um das Jahr 1058 verfaßte AbtDurand von Troarn ein Werk gegen ihn, um seine Irrtümer aus den Schriftender Väter zu bekämpfen und die Schäden aufzudecken, die seine Lehre derKirche gebracht habe. Und der Mainzer Lehrer Gozechin wandte sichspäter in seinem langen Schreiben an Walcher in äußerst scharfen undbitteren Ausdrücken gegen Berengar, den Apostel des Satans, und seinTreiben und berichtet, daß eine ganze Reihe gelehrter Männer, unter denener auch Drogo von Paris aufführt, wegen dieses Treibens ihre Stellungaufgegeben und sich ganz dem beschaulichen Leben zugewandt hätten. Somochte auch Hildebrand schließlich den Wunsch hegen, daß Berengar nunendlich sein Versprechen einlöse, nach Rom zu kommen, damit die Kurieselbst eine Entscheidung in seiner Sache treffen könne. Doch erst unterPapst Nikolaus II. scheint Hildebrand die Gelegenheit und den richtigenBoden dafür gefunden zu haben.

Berengar hatte jedenfalls zugesagt, sich in Rom einzustellen, doch ließer sich von seinem alten Beschützer, dem Grafen Gaufrid, eine nicht ge-ringe Unterstützung geben, indem er in dessen Namen einen Geleitbrieffür sich an Hildebrand schrieb; es ist nämlich fast außer Zweifel, daß dieswichtige Schreiben, dessen Inhalt die Sachlage aufs klarste erhellt, vonBerengar in Gaufrids Namen verfaßt ist. 1 ) Sein Inhalt ist in kurzemfolgender:Berengar ist auf deinen Wunsch nach Rom gekommen. Nunzeige deine christliche Großmut anders als wie damals, da du nach Tourskamst. Denn damals hatte er einen Engel erwartet und du bewiesest dichwie Joseph von Arimathia (Joh. 19. 38), ja wie Pilatus (Luc. 23,22 und 613).Erst hast du mit Berengar verkehrt und ihn dann vor seinen Feinden ver-leugnet nach Luc. 9,26. Und wenn du meinst, daß ich mir zu viel gegendich erlaubt habe, was niemand anderem freistehe, so wisse, daß dies ausFreundschaft und Liebe getan ist, denn ich weiß, daß du damals aus Ab-sicht und vernünftiger Erwägung so gehandelt hast. Und rechne mir diesnicht als Beleidigung an, wohl aber als Ermahnung dem Freunde gegen-über. Jetzt aber hast du Gelegenheit, deine wahre Gesinnung zu offen-baren, da Berengar beim Papste ist. Wenn du jetzt wieder gegenüber demIrrtum jener Toren deine wirkliche Meinung verschweigst, so ergibt sichdadurch deutlich, daß du früher die Sache nicht vernunftgemäß auf dierechte Zeit verschoben hast, sondern aus Kleinmut und Furcht die Parteieines Unschuldigen nicht zu vertreten wagtest. Wenn das eintreten sollte,so wisse, daß du da,nn unsre Hoffnung auf dich zerstören und daß du gegendich und gegen Gott ein großes Unrecht begehen würdest. Und alle unsredurch Bildung hervorragenden Männer haben nach Begutachtung der Sachegemäß den einschlägigen Schriften erklärt, soweit wir davon erfahren

x ) Das hat J. Schnitzer, Berengar von Tours (München 1890) S. 66 n. 1 meines Er-achtens unwiderleglich dargetan.