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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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106 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

graben habe. Aus dieser Stellung beider Männer, wenn sie auch stark kari-kiert ist, begreift sich der Brief Berengars, worin dieser den Lanfrancheftig angreift, daß er in der Abendmahlslehre an Radbert festhalte und dieAnsicht des Johannes Scotus 1 ) verwerfe. Er habe jedenfalls noch nichtgenügend in der hl. Schrift geforscht, denn wenn man den Johannes füreinen Ketzer erkläre, so müsse man dies auch mit Ambrosius, Augustinund Hieronymus tun. Es werde ihm lieb sein, wenn er einmal mit ihmvor Zeugen und Richtern darüber sich auslassen könne. Dieser Brief kamin Bec an, als Lanfranc nach Rom gereist war, und gelangte erst dort inseine Hände, nachdem ihn andere gelesen hatten. Da Lanfranc über denAusfall einer päpstlichen Beurteilung sicher sein konnte, so brachte er dieSache vor Leo IX., der Berengar von einer römischen Synode exkommuni-zieren und auf eine spätere Synode nach Vercelli vorladen ließ. DieseVorladung hielten Berengar und seine Freunde für eine Rechtsverletzung,da ein Gericht nur in der Diözese selbst zu erfolgen hatte. Doch wollte ergegen den Papst nicht ungehorsam sein und begab sich, um später in Parisvom Könige als dem Abt von Tours Einwilligung zur Reise zu erbitten,nach der Normandie. Hier besuchte er zuerst den ihm befreundeten. AbtAnsfrid in Preaux, bei dem er aber hinsichtlich der Abendmahlsauffassungkeine Unterstützung erhalten zu haben scheint. Und dasselbe war am Hofedes Normannenherzogs Wilhelm der Fall, den er jedenfalls als Rückhaltgegen Rom gewinnen wollte: auf einem Theologengespräch zu Briöne mußteBerengar die gewohnte Auffassung der Kirche als zu Recht bestehend an-nehmen. Nicht besser erging es ihm, als er zu Chartres einen kurzen Auf-enthalt nahm, aber als er nach Paris kam, wurde er auf Befehl des Königsverhaftet und gefangen gesetzt. Im Kerker beschäftigte er sich besondersmit dem Johannesevangelium und wurde dadurch von der Richtigkeit seinerMeinung immer mehr bestärkt, wovon er in einem an Ansfrid gerichtetenBriefe Zeugnis ablegt, in dem er sich zugleich über den ihm in Chartreszuteil gewordenen Empfang in heftigen Klagen ausspricht. Ferner schrieber in dieser Zeit einen Brief an den Kanonikus Ascelin zu Chartres, in demer auf das dort gehaltene theologische Gespräch Bezug nimmt und be-hauptet, daß er bisher keineswegs alles von Johannes Scotus gelesen habe;was er aber gelesen habe, stimme mit der Ansicht der Väter überein, under sei bereit zu verwerfen, wenn er bei ihm etwas Unrichtiges finden werde.In seiner Antwort bedauert Ascelin, daß Berengar bei seinem alten Irrtumgeblieben sei, denn Johannes sei ein Häretiker, da er die Schriften derVäter falsch auslege. Und Berengar möge davon ablassen, ein Werk zuverteidigen, das auf dem Konzil zu Vercelli verdammt worden sei. IndesBerengar ruhte nicht und richtete an den Klerus von Chartres. wie Durandvon Troarn erzählt, ein Schreiben, das sich sehr scharf gegen Papst Leound die römische Kirche aussprach. Da der Brief verloren ist, so mußsein Inhalt auf das Zeugnis Durands angenommen werden, bei dessen Vor-

') Da Johannes keine Sonderschrift überdas Abendmahl hinterlassen hat, so ist dasauffällig. Aber Laufs hat (Theol. Studien

eine Verwechselung mit Ratrams von CorbieDe corpore et sanguine domini vorliegt, diesich auch sonst bei Berengar, besonders in

und Kritiken 1. 755 ff.) nachgewiesen, daß hier De sacra coena findet.