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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Berengar von Tours. 103

nach ihrem Tode zu schreiben. Daraus ergibt sich aber deutlich, daß dieVorwelt eben keine Wunder des hl. Magnus aufzuzeichnen gehabt hatte.

Zum Anlaß vgl. Tempt. 2 (col. 56 A) Postquam nero redii, vitam s. Magni scripsi com-pulsus fratrum duorum precibus intimis et assiduis, Wilhelm i scilicet ex congregatione nostraet alterius qui ad nos discendi causa ex monasterio s. Magni venu, Adalham dictus, quiquenunc in s. Afrae coenobio abbas est constüutus. Hiermit und zu allem übrigen vgl. den Anhang Ibei Dümmler a. a. 0. S. 10981100. Die alte Hs. aus Augsburg ist verloren, doch das Werkist in später Abschrift der Bollandisten erhalten. Ein Stück des Prologs Acta SS. Sept. 2,701.Aus dieser Abschrift gab den Prolog und den Schluß heraus Dümmler a. a. O. S. 1098 ff.;vgl. S. 1096.

Gesamtausgabe von Otlohs Schriften bei Migne 146,29422. Vgl. Wattenbach2.6568 und die treffende Charakteristik von Hauck 3, 959-962. dazu K. Werner, Ger-bert von Aurillac S. 239244.327. J. A. Endres, Forsch, z.Gesch. d. frühmittelalt. Philosophie<1915) S. 6487.

11. Berengar von Tours und seine Widersacher.

Seit den Tagen, da des Radbertus Paschasius Buch De corpore etsanguine domini erschien, war die Auffassung der Kirche über das Abend-mahl im allgemeinen dieselbe geblieben und stützte sich auf diese Autorität.Allerdings hat es nicht an abweichenden Meinungen gefehlt, sie wurdenaber durch den Episkopat schnell unterdrückt und die Lehre der Trans-substantiation blieb in Geltung. Aber noch vor dem Jahre 1050 lief eingeistig hochstehender und unabhängiger Mann Sturm gegen diese Auf-fassung und entfesselte dadurch eine nicht geringe Bewegung bei der zeit-genössischen Geistlichkeit. Dieser kam es hinsichtlich der konservativenTendenzen der Kirche zu Hilfe, daß wenig später die römische Kirche voneinem Manne gelenkt wurde, der zu den größten Geistern des 11. Jahr-hunderts zu rechnen ist, an dessen Verteidigung alle gegen das Dogmagerichteten Angriffe abprallten. Wir haben es mit Berengar von Toursund dem Kardinal Hildebrand, dem späteren Papste Gregor VII., zu tun,der allerdings in dem Streite eine nicht ganz klare Stellung einnahm.

Berengar stammte aus wohlhabender Familie und mag um 1010 inTours geboren sein. Der höheren Studien wegen begab er sich nach Chartres,um dort Schüler des bedeutendsten zeitgenössischen Lehrers, des BischofsFulbert zu werden, dessen Schule Adelmann einer Akademie verglich, währender Fulbert einen zweiten Sokrates nannte. Hier erlernte Berengar die welt-liche und die geistliche Wissenschaft und er mochte nach Adelmanns Wortenzu den Auserkorenen gehören, die der verehrte Lehrer besonders an sichzog. Mit großem Genuß erinnerte er sich als alter Mann noch an einenWitz, den einst ein älterer Schüler mit ihm und andern Jüngern des Donat die Tatsache fällt daher vielleicht noch vor seinen Aufenthalt in Chartresgemacht hatte. Er hatte nämlich mit ihnen gewettet, daß tantum Inter-jektion sei, und seine Wette dadurch gewonnen, daß er ihnen im Buchedie Worte zeigte: Interiectioni quid aeeidit? Significatio tantum. In Chartreserwarb sich Berengar die für seine Zeit hervorragende Ausbildung inGrammatik, Dialektik und Rhetorik, die es ihm später ermöglichte, eineso scharfe und treffende Verteidigungsschrift wie De sacra coena zu ver-fassen. Wahrscheinlich prägte sich schon damals bei ihm ein gewisserHang aus, selbständig zu denken und das überlieferte Wissen kritisch zuerfassen, wenigstens wußten seine Mitschüler später von ihm zu erzählen,