Otloh von St. Emmeram, 101
Exemplar von Bedas Chronik. So ist das ganze Machwerk ein Betrug,obwohl die Realität des Ereignisses noch später in St. Emmeram ver-fochten wurde.
Zu den Behauptungen des Verfassers vgl. (Neues Archiv 15. 340) Quod audivimus etvidimus, quod oculis nostris perspeximus und p. 341 ea . . . quae tarn ex nostrorum quame.r itiorum, qui ex GaUiä ad nos ceniebant, relatione fideli comperimus. Zum Bericht desReklusen c. 3 p. 343 Nam sicut a quodam venerabili viro scilicet incluso adhuc superstite etomnimodo huie saeado abrenuntiante, qui quondam in Gallia commoratus et profectus ads. Diont'si cenobium ab einsdem monasterii abbate didicit, comperimus. 1 ) Sogar angeblich eigneWorte Arnulfs werden untergeschoben, vgl. p. 344 imperator... talia fertur verba pirotulisse;weiterer Bericht des Reklusen c. 5 p. 345 Haec vero quae de s. Dgonisii translatione ab eo factadiximus, partim a nostratum partim quoque inclusi, de quo superius mentionem fecimus,relatione fideli comperimus. Zeitangabe c. 11p. 351 Si quis autem curiose inquirit, sub quoanno incarnationis domini haec fnerit facta translatio, hoc modo conicere poterit: Computetergo ab anno nongentesimo, in quo predictus imperator Arnolfus sexta Idus Decembris obiit,usque ad instantem patefactae translationis annum, qui est millesimus quadraijesimus nontcs.Handschrift: Guelferbyt. Nov. 534,3 s. XV f.49—57 b . Ausgabe von L. v. Heinemann, NeuesArchiv 15, 340-358. Daselbst S. 336 zur Zeit der Abfassung und S. 336-340 über Otlohals Verfasser. 2 ) Vgl. Dum ml er a. a. 0. S. 1084 f. Ein Fragment eines Auszuges aus diesemWerke scheint das kleine Stück bei Pez 3, 2, 399 = Migne 146, 387D zu sein.
Heiligenleben. 1. Vita sancti Altonis. Um ein auf Bonifaz zurück-geführtes Recht für das Kloster Altomünster zu schützen, schrieb Otlohdas Leben Altos, des angeblichen Stifters dieses Klosters, bevor er nachFulda ging. Wahrscheinlich wußte man von diesem Heiligen in seinemStifte so gut wie nichts, denn Otlohs kleine Schrift besteht nur aus Wortenfast ohne jeden Inhalt. Leider besitzt das Werkchen keinen Prolog mehr.Der Eingang, d. h. das Leben Altos bis zur Begründung des Klosters, istaus den herkömmlichen Phrasen zusammengestoppelt und wohl einfacherfunden; als einzige positive Angabe findet sich, daß König Pippin demAlto ein Stück Wald geschenkt habe. Und auf Lokaltradition beruht wohlKap. 8 der Besuch von Bonifaz und dessen Verbot, daß keine Frau ausder neben der Kirche entspringenden Quelle Wasser schöpfen dürfe. 3 ) Er-funden scheint dann auch alles Weitere über Altos Leben zu sein. VonKap. 10 an aber hört man nichts mehr vom Stifter, sondern nur noch vonden durch bairische Große bestimmten Geschicken des Klosters und vonder Übertretung des von Bonifaz gegebenen Verbots. So ist die Schriftan sich völlig wertlos und hat nur deshalb ein gewisses Interesse, weil sievon Otloh stammt. Und ebenso inhaltlos werden wohl die Gedichte gewesensein, die Otloh auf diesen Heiligen schrieb.
Zum Verfasser vgl. De tempt. 2 (col. 56 A) Sed et vitam sancti Altonis una cum quibus-dam carminibits ad eundem sanctum pertinentibus. Handschrift Monac. 21707 s. XV. Dieälteren Ausgaben sind alle interpoliert, die einzige kritische von G. Waitz MG. SS. 15,843 ff.Vgl. Wattenbach 2, 66 n. 5 und Dümmler a. a. O. S. 1095.
2. Vita sancti Nicolai. Auf Wunsch der Brüder von St. Emmeramverfaßte Otloh ein Leben des hl. Nikolaus, das er dem Abte Wicrad — jeden-falls Widerad von Fulda — widmete. Im Prolog berichtet er, daß ihmzwei Biographien des Heiligen vorlagen, denen er alles bis auf das letzteKapitel verdanke. Die eine sei an vielen Orten verbreitet, die andere habe
Nämlich daß nach dem Raube des Hei- \ 3 ) Die Uebertretung dieses Verbotes war
ligen zwei Tage völlige Finsternis im Klosterzu St. Denis herrschte.
2 ) Vgl. auch Dümmler S. 1085 n. 3.
die Veranlassung dazu, das Leben Altos zubeschreiben.