Otloh von St. Emmeram. 95
Anordnung einführte, die er in den Senecasprüchen vorfand. Denn dasdidaktische Element kommt, wie wir oben sahen, im Prologe deutlichzur Erscheinung, und wir wissen, daß die als Kap. 50 von De tribusquaestionibus zusammengestellten Sprüche sämtlich im Liber proverbiorumwiederkehren, daß also Otloh sich später selber wieder ausschrieb. Auchdies Werk wurde mehrfach abgeschrieben und ist auch in Auszügen vor-handen.
Zur Entstehung und zum Zweck vgl. den Prolog (col.299B) Cum nuper illa quae di-cuntur Senecae proverbia per aiphabeti ordinem distincta legissem, primo mirabar, tantamcuiquam bifidelium prudentiam inesse potuisse . . . Deinde non partim incitabar ad hoc utcum aliquo simili studio {mittlrer colligendo scilicet tarn ex saecularibus quam ex sacrislitteris tum etiam ex nostris proverbia aliqua ad aedificationem fidelium congrua . . .(300C) Proverbiorum autem hie eollectorum dictis parvuli quilibet scolastici, si ita cuiquamplaceat, possunt apte instrui post lectionem psalterü. Sunt enim multo brevioris et planiorissententiae quam illa fabulosa Aviani dieta, sed et utiliora quam quaedam Catonis verba,quae utraque omnes pene magistri legere solent ad prima parvorum documenta, non attendentesquia tarn parvulis quam senioribus Christi fidelibus Sacra potius quam gentilia rudimenta-primitus sint exhibenda, ut in his aliquatenus instrueti postea saeculares litteras arti gram-maticae congruas securius discant. Die Senecasprüche bei Otloh hat W. Meyer (Die Samm-lungen der Spiuchverse des Publilius Syrus S. 11 f.) herausgehoben. Sonstige Verse aus deralten Literatur sind A 1') Lucan 8,282. C 5 Horat. Ep. 1, 11, 27. C 6 Juvenal 14.139. C 17'Dist. Cat. 2,19,2. D 3 vgl. Hör. Ep. 1,2, 40. D 8 Dist. Cat 1,10,1. Dil vgl. Hör. Ep. 1,12, 4.J 5 Hör. Ep. 1,10,47. J 6 Hör. Ep. 1,2,57. J 8 Dist. Cat. 2,4,2. Q 8 2 Anth. lat. 683,1. S pros. 85Hör. Carm. 1,2.50. Spros.86 Hor.Carm.2,10, 9 ff. S1 Dist. Cat. 3 praef. 6. S 4 Dist. Cat. 1,10,2.S10 1 Hör. Ep. 1,2,56. T 3 Dist. Cat. 1, 30,2. V5 Hör. Ep. 1,1,52. C pros.47 Sallust. Jug. 10,6.ilpros. 61 Wiponis Prov. 89. O pros. 35 Wiponis vita Chuonr. Prol. p. 27 ed. Pertz. Die Ueber-lieferung besteht hauptsächlich aus Monac. 14490 s. XI f. 23 und Monac. 536 s. XII, sowieMonac. 18937 s. XI f.230—256. Auszüge im Monac. 19411 s.XIII f.101, außerdem Monac. 9510s. XI f. 102 und Vindob. 2521 s. XII f. 4. 5. 48; vgl. zu den Hss. Neues Archiv 17, 35. 19,720 undZtschr. f. deutsch. Altertum 22,422. Benutzt ist das Werk in der Vita HeinricilV., vgl. die-Ausgabe von Eberhard, Prol. p.7 und c. 6ff., und in späteren Sammlungen von Sprich-wörtern, vgl. J. Werner, Lat. Sprichw. und Sinnsprüche des Mittelalters S. 7. 56. 67. 70 zu B8.N125. 086. P 57 (stehtauch schon bei Ruotger, Vita Brunonis c. 22 p.24 ed. Pertz) sowie-im Memento mori Vs. 115—122. vgl. Ztschr. f. deutsch. A. 25,188. Ausgaben: Bedae opera ed.Colon. 2,185; Pez a.a.O. 3,2,485 = Migne 146,229—338. Vgl. Wilmans in MG. SS. 11,387;Dümmler a. a. O. S. 1076 n. 1 und 1092.
Vita Wolfkangi. Noch bevor Otloh sein Kloster St. Emmeram ver-lassen hatte, wurde er von einigen Brüdern des Klosters gebeten, eineneue Lebensbeschreibung des im Jahre 994 gestorbenen Bischofs Wolfgangvon Regensburg zu verfassen, nämlich die in Franken entstandene VitaWolfkangi mit den in Arnolds Schrift De s. Emmerammo über Wolfgangenthaltenen Nachrichten zu vereinen und stilistisch zu überarbeiten. Dadas ältere Leben des Heiligen verloren ist, läßt sich Otlohs Arbeit nurnach Arnolds Bericht beurteilen. Er hat diesen als die heimische Quelleder Vorlage aus Franken vorgezogen und bei den Widersprüchen mit derletztern ihn und die in St. Emmeram erkundete Tradition gelten lassen.Also eine gewisse Kritik hat er geübt, wie er z. B. die Nachricht verwarf,,daß Wolfgang den Ungarnkönig bekehrt und getauft habe, worüber er imProloge selbst spricht. Außerdem berichtet er, daß er manches aus münd-licher Überlieferung hinzugesetzt, manches gekürzt, viele Tatsachen zurecht-gerückt und die Kapitelübersicht vorangestellt habe. Fehlt es ihm so aufder einen Seite nicht an der nötigen Kritik, so sind ihm doch andrerseits
') Die Ziffern bezeichnen stets die Zahlen der den Prosasprüchen angehängten Verse in.jedem Buchstaben.