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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Otloh von St. Emmeram.

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Christi, ohne wesentlich eigene Gedanken zu bringen. Von der Form beiderGedichte ist zu erwähnen, daß die beiden Hälften aller sapphischen Verseaufeinander reimen, also gewissermaßen den leoninischen Reim des Hexa-meters auf sich nehmen.

Ausgabe bei Peza.a. 0.2,2, 477-481 = Migne 146, 293; Mone, Latein. Hymnen 1,53.G. M. Dreves, Anal. hymn. 50, 323. 322.

De tribus quaestionibus. Otloh bezeichnet diesen Dialog als seinzweites Werk und gibt selbst im Liber de suis temptationibus 2 an, daßer ihn vor fünfzehn Jahren geschrieben habe. Da nun letzteres Werketwa 1070 verfaßt wurde, so kommt man als Abfassungszeit auf 1055. Dasstimmt aber gut zur Zeit von Otlohs Verkehr mit dem Mönch Heinrichvon Augsburg, dem Otloh diese Schrift widmete. Denn aus dem persön-lichen Verkehr mit Heinrich ist das Werk hervorgegangen. Als sich nämlichHeinrich um 1054 in St. Emmeram aufhielt, befragte er Otloh vielfach überwichtige Stellen der hl. Schrift und dieser stellte auf des Freundes Bittedie Unterhaltungen schriftlich zusammen und zwar in dialogischer Form,aber ohne Angabe der Personen und des Verfassers, um nicht, wie er sagt,bei übelwollenden Naturen Anstoß zu erregen. Doch auf erneute BittenHeinrichs 1 ) setzte er dann die Namen der Interlokutoren ein. In demWidmungsbriefe zieht Otloh gegen die einfältigen Dialektiker los, die glaubten,daß alle Worte der Bibel nach der Dialektik zu begreifen seien und diemehr dem Boethius als den heiligen Vätern vertrauten. Und er beruft sichdiesen gegenüber auf Augustin, der in seinen Retractationes einen früherenIrrtum eingestehe. Nach einer längeren grammatischen Ausführung überdas Wort persona sagt er, daß er viel mehr den Aussprüchen der Väterals denen eines Plato, Aristoteles und Boethius folge, der sogar den Lucanseinen familiaris genannt habe, 2 ) da doch ein Christ einen ungläubigenHeiden nie so bezeichnen dürfe. Das Werk selbst gliedert sich nach derDreieinigkeit in drei Teile. Der erste handelt von der Erkenntnis dergöttlichen Liebe, die sich in der Natur wie im Menschendasein als Mildeund Strenge offenbare; hierbei kommt Otloh, wie auch sonst häufig in seinenAVerken, auf den Kampf des Menschen gegen die Versuchungen des Tenfels(Kap. 13) und auf die Habsucht bei der Geistlichkeit (Kap. 15) zu sprechen.Im zweiten Teile spricht Otloh über die verschiedenen Arten der göttlichenGerichte, deren er vier aufzählt und mit Beispielen aus der Bibel belegt;er unterscheidet nämlich die gerechten, die notwendigen, die gerechtenund zugleich notwendigen und die verborgenen Gerichte; interessant hier-bei, weil für die Beurteilung der Zeit wichtig, ist seine Kritik der welt-lichen Philosophie (Kap. 22). Der dritte Teil behandelt die Fähigkeit desMenschen, das Gute zu tun, und beginnt mit der Frage, ob es dem Men-schen möglich sei, die Schwierigkeiten zu überwinden, die sich ihm dabeientgegenstellen, sie wird insofern beantwortet, als Otloh dem Menschen

') Und zwar bei dessen erneutem Auf-enthalt in St. Emmeram, vgl. Tempt. col. 54DPftst non multum tempus ad nos üerum re-vertitür. Tunc . . . unice petiit, ut et causamscribendi illustrarem prologo et utriusquepersonae mei videlicet et sui memoriam pate-

facerem in dialogo.

') Consol. philos. 4,5 p. 112, 124 familiarisnoster Lucamis. Zum Ausfall gegen die Dia-lektik glaubt Dummler S. 1089 dies alsgegen die Schüler Lanfranks gesagt.