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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
paulinischen Worte und fährt mit einer vielfach aus Sedulius entlehntenDoxologiefort, woran sich Abschnitte über Gott und über christliche Tugendenreihen. Dann äußert sich Otloh über die Verderblichkeit der Beschäftigungmit der heidnischen Literatur 1 ) und die folgenden Abschnitte sind mehrpersönlich gehalten, wie in 14 eine Vision und von der Krankheit desDichters, sowie in 15 ff. von seiner Konversion und damit in Zusammen-hang stehenden Verhältnissen erzählt wird. Erst mit 20 setzen dann dieErmahnungen zur Tugend ein, die sich an Laien wie an Kleriker richten,wobei manches aus den Zeitumständen zur Sprache kommt. Auch in diesenletzten zwanzig Stücken ist die Behandlungsweise sehr verschieden, da dieersten zwölf Abschnitte kurze Gedichte nach Prospers Art darstellen, währenddie übrigen mehr kleinen Predigten über verschiedenartige Stoffe aus demchristlichen Leben gleichen. Die Hexameter sind meist leoninisch gereimt,wo das aber nicht der Fall ist, wird dieser Reim durch den Reim zweieraufeinanderfolgenden Verse ersetzt. 2 )
Im Prolog heißt es (col. 263 A) Vs. 4 Nam tali studio doctrinae verbula promo, Ut qnaeper varios deberes quaerere libros . . . Haec sub suecincta nee non plana ratione Istic in-ventä citius capias documenta Atque per hos ritus . . . maiora capessere possis. Zur poetischenForm Vs. 29 Hoc quoque verborum plus ordine convenienti Insuper antiqua de consuetudinefeci, Cum nie decrevi certare scholaribus orsis und 53 Saepe magis sensus quam metri iurasecutus Legem sxßlabicam paulisper discutiebam. Lector, ad extremum precor hoc quammaxime solum, Quatenus Otlohi quandoque velis memorari. Zu 2, 3 f. vgl. Sedul. P. C. 1, 31;12 Sedul. 2,38; 14 = Sedul. 2,67; auch sonst finden sich Anlehnungen, wie 10,8 Non ignotaloquor (Verg. Aen. 2,91); 13,26 quod iam natura negavit (Iuvenal 1,79); 13.101 Ut mihifert animus (Ovid. Met. 1, 1). Handschrift: Monac. 14756 f. 112b—156 s . XI. Ausgaben:Pez, Thesaurus aneedot. noviss. 2, 2, 431 =Migne 146,263.
Ob das in der Handschrift folgende Gedicht von 99 Hexametern ausderselben Zeit stammt, dürfte fraglich sein, da es Vs. 2 heißt Cum propesit tempus quo mundus erit ruiturus und der Weltuntergang im Jahre 1065erwartet wurde. Außerdem zeigt das Gedicht ziemlich häufig den zwei-silbigen leoninischen Reim, den Otloh in seinem ersten Werke nur ganzausnahmsweise anwandte. Allerdings weist Otloh selbst (Tempt. col. 52 B)auf einen Sermo in diesem Werke hin, da er aber dort sagt narrans demiserabili improbitatis meae vindieta, so meint er wohl die Abschnitte 14—17.Das Gedicht nennt sich Sermo ad avaros vel superbos und ist im Toneeiner Predigt an den Klerus gerichtet, 3 ) dem es in Hinsicht auf das naheWeltende Habsucht und Hochmut, wie überhaupt alles Festhalten an derWelt und ihrer Lust widerrät. Hierauf folgt ein zweites Gedicht von30 Hexametern Versus super sequentiam saneti spiritus, das die Kraft unddie Macht des hl. Geistes besingt. Daran schließen sich zwei Hymnen insapphischen Strophen. Der erste behandelt in 17 Strophen den evange-lischen Bericht Matth. 2,1—12. Das Gedicht ist im ganzen mehr chronik-artig und reizlos, dagegen ist die Form mit wenigen Ausnahmen metrischrichtig, nur der Hiatus ist oft zugelassen. Der zweite Hymnus besingtunter Anwendung der üblichen Terminologie und Phraseologie die Geburt
J ) 11, 31 werden Horaz, Terenz und Ju-venal genannt; 37 spricht der Verfasser vonsich cognoscens experimento. So auch 14,113Quid mihi tunc Socrates vel Pluto Aristoteles-que, Tullius ipse rhetor?
-) Zur Abfassung des Werkes vgl. diebreite Auseinandersetzung im Lib.' tempt. 2(col. 51 f.).
! ) 1 O fratres cari. 96 Unde, precor,fratres.