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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Otloh von St. Emmeram.

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ihm aber seine Astronomie und seine Musik gewidmet zu haben. 1 ) Auchder Mönch Heinrich von Reichenau, der mehrmals als Gast in St. Emmeramverkehrte, wurde mit ihm befreundet und die zwischen beiden gepflogenenwissenschaftlichen Unterhaltungen wurden dialogisch von Otloh aufgeschriebenund auf Heinrichs Wunsch der Dialog mit den Namen versehen, die derVerfasser zuerst geflissentlich weggelassen hatte. Zu Anfang 1054 unter-nahm Otloh eine Reise nach Fulda, die ihn in nähere Verbindung mit demberühmten Kloster brachte, das ihm späber zum Zufluchtsort wurde. Dieshängt mit den unerquicklichen Verhältnissen in St. Emmeram zusammen,wo nämlich die alte Verbindung der Abtwürde mit dem Regensburger Bistumunhaltbar geworden war und daher Urkunden gefälscht wurden, um dieUnabhängigkeit des Klosters vom Bistum in karolingischer Zeit darzutun.Man ging sogar so weit, zu behaupten, daß die Reliquien von DionysiusAreopagita 899 durch einen Diebstahl aus St. Denis nach Regensburg ge-langt seien, und Otloh verfaßte zu Ehren des Heiligen nicht nur eineSequenz, sondern schrieb auch wahrscheinlich die lügenhafte Geschichteseiner Übertragung nach Regensburg. Auch sonst beschäftigte sich Otlohmit Dionysius, indem er sowohl Hildvins Schrift über ihn an Ludwig denFrommen als auch das ihm fälschlich beigelegte Werk Caelestis hierarchiaabschrieb. Da sich nun Otloh, der inzwischen Dekan geworden war, nichtmit dem Abt Reginward vertragen konnte, so erbat er sich schließlich vondiesem die Erlaubnis, nach Fulda zu gehen. Das geschah im Jahre 1062,kurz bevor das Kloster zu St. Emmeram abbrannte. Hier lebte er vierJahre in voller Muße und verfaßte auf inständiges Bitten der Brüder eineneue Biographie des Bonifatius, zu der er das von Willibald geschriebeneLeben mit den Briefen von Bonifaz verband. Auch widmete er dem AbtWidrad von Fulda das schon vor 1062 verfaßte Leben des hl. Nikolaus undbegann seine ausgedehnte Sammlung von Sprichwörtern, den Liber pro-verbiorum. Endlich kehrte er auf die Bitte seiner ehemaligen Brüder zurück,obwohl man ihn in Fulda nur sehr ungern fortließ. Aber er blieb noch einJahr im Kloster Amorbach, ehe er nach Regensburg zurückkehrte, um dortauf die Besserung der Verhältnisse in Regensburg zu warten. Zu Amor-bach verfaßte er auf inständiges Bitten des Abtes eine Predigt Quomodolegendum sit in rebus visibilibus, zu deren Ausgangspunkt er Psal. 52,3nahm. Dann erst begab er sich wieder nach St. Emmeram, wo er dieletzten Jahre seines Lebens mit schriftstellerischen Arbeiten hinbrachte.Frühzeitig stellten sich bei ihm die Gebrechen des Alters ein und er scheintnicht lange nach 1070 gestorben zu sein.

Zeugnisse. Grundlegend für die Biographie Otlohs ist die vortreffliche, aus denQuellen geschöpfte Arbeit von Diimmler, Ueber den Mönch Otloh von St. Emmeram,Berl.SB. 1895 N. 48 S. 10711086. Zum Namen vgl. Dümmler S. 1071 und n. 13. Zurersten Schule vgl. Liber de temptationibus (Migne 146, 57 A) in loco illo quo talia didiciid est in coenöbio Tegrinsee. Zum Schreiben vgl. daselbst (56 D) Cum igitur parvus scholaridisciplinae traditus fuissem litterasque celeriter didicissem, coepi etiam longe ante solitumtempus discendi sine iussu magistri artem discere scribendi. Furtivo enim et insolito modonee non sine docente nisus sum eandem artem scribendi apprehendere. Qua de re contigit,

x ) Nach J. A. Endres. Forsch, z. Gesch.d. frühmittelalterl. Philosophie S. 72 f. hat eraber nicht mit Wilhelm den Dialog über Astro-

nomie geführt. Daselbst S. 67 ff. über Ot-lohs Stellung zur weltlichen Wissenschaft undS. 74 ff. seine Stellung zur Dialektik.