Otloh von St. Emmeram. 83
hätten. 1 ) Endlich solle er fromm und mildherzig sein und alle anderenTugenden üben, von denen einige noch besonders aufgeführt werden. Ausalledem bestehe die königliche Krone und ohne diese Tugenden könneniemand auf Erden herrschen oder ins Himmelreich gelangen. — Der In-halt dieser zehn Kapitel zeigt den Ungarnkönig als einen sowohl demChristentum wie der Kirche durchaus ergebenen Fürsten, der seinem Sohndie rechte Anleitung zur künftigen Herrschaft zu geben bestrebt ist. Diekleine Schrift ist mit biblischen Anführungen und Worteu ganz durchsetzt,woraus sich unmittelbar geistliche Urheberschaft ergibt. Die Sprache istklar und meist gefällig und hält sich von jedem aufdringlichen Schwulstfrei. Daß der König Latein wählte, läßt darauf schließen, daß sein Sohnschon den Unterricht Gerards genossen hatte, als er die Schrift für ihnausarbeiten ließ, die wohl um 1030 entstand.
Zeugnisse. Titel S. Stephani regis de morum institutione ad Emericum ducem. Vor-rede (ed. Endlicher p. 299) Cum cuncta dei nutu condila . . . scilicet regna consulatus du-catus . . . partim divinis preceptis . . . partim legibus . . . regi . . . videam . . . tunc nee mepiget, fili amdbilissime, hac vita comite tibi documenta . . . ponere, quibus tue vite morestibique subiectorum exornes, quando qicidem . . . post me regnabis . . . (300) Puer es . . . fotuseducatusque in delictis eunetis, totius expedicionum laboris . . . expers, in quibus ego iamfere meam totam contrivi etatem. Iam tempus adest, in quo tibi non semper pulvinummolUcie . . . adhibende sunt . . . sed interdum vimen et asperitas tribuenda est. Der Schriftist ein Verzeichnis der Kapitel vorangestellt.
Ueberlieferung: Vindob. s. XV. Ausgaben: Migne 151, 1233, Florianus, Hist.Hungaricae fontes domestici 1, 102—112, und besonders S. L. Endlicher, Rerum Hungar.monumenta Arpadiana p. 299—309. Wattenbach 2,209.
10. Otloh von St. Emmeram.
Otloh ist um das Jahr 1010 im Freisinger Sprengel geboren und er-hielt seinen ersten Unterricht im Kloster Tegernsee, wo er zuerst als kleinerKnabe das Schreiben autodidaktisch erlernte, so daß er zu allgemeinerVerwunderung schon schreiben konnte, als er die erste Wachstafel erhaltenhatte. Und er wurde später trotz seiner anfänglichen falschen Federhaltungein ungemein gesuchter und beliebter Schreiber. Um sich im Schreibenzu vervollkommnen, wurde er dann 1024 als Knabe in das Kloster Hers-feld geschickt, wo er sich dieser Tätigkeit so hingab, daß er beinahe dasAugenlicht verloren hätte; er schenkte auch später dem Kloster zwei Bücher.Dem ersten Unterricht wurde, wie er selbst erzählt, der Psalter zugrundegelegt, und es folgten dann die Disticha Catonis und die Fabeln Avians;da beide Dichtungen dem heidnischen Altertum angehörten, suchte er siespäter durch seine christlich gehaltenen Proverbia zu ersetzen. Mit Leibund Seele muß der Knabe am wissenschaftlichen Leben des Klosters ge-hängt haben, denn gegen den ausdrücklichen Willen seines Vaters bestimmteer sich damals schon innerlich zum Mönche. Aber als er heimkehrte, hielter sich an sein Gelübde nicht für gebunden und lebte als Weltgeistlicher.Als solchen berief ihn Bischof Meginhard von Würzburg wegen seinesgroßen Schreibtalentes zu sich, und dann scheint er sich vor seiner Priester-
] ) Hierzu wird Sap. 9, 10 und Eccli. 23,1—6 (mit Kürzungen und Veränderungen) an-geführt.
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