Gerard von Czanad. 75
widrige Winde bald an der Weiterfahrt verhindert, und sein enger Freund, derAbt Rasina, der sich in einem benachbarten Kloster befand, wo er die Fasten-zeit verbrachte, ließ nichts unversucht, ihn von der Reise abzubringen, undriet ihm vielmehr, nach Ungarn zu gehen und sich der Mission zu widmen.Er ließ sich auch dazu bereden und gelangte zum Bischof Maurus vonFünfkirchen, der ihn zu König Stephan geleitete. Dieser ernannte ihn zumBischof und übergab ihm die Erziehung seines Sohnes Emerich. Hiermitsteht jedenfalls in Zusammenhang, daß man die Abfassung der kleinenSchrift, die Stephan für die sittliche Bildung seines Sohnes abfassen ließ,dem Gerard zugeschrieben hat, wie noch Wattenbach tat. 1 ) Aber nichtserinnert in jeifen zehn Kapiteln, die in einem ganz flüssigen und leichtverständlichen Latein geschrieben sind, an den großen Wortschwall derRede und an das gesucht dunkle, höchst merkwürdig gefärbte Latein undan den krausen Stil Gerards; seine Verfasserschaft kann ich unmöglich an-nehmen. Gerard begab sich aber dann in das Eremitenkloster Bei, wo erschriftstellerisch tätig war, und er verließ diesen Ort auch dann nicht, alsihm Stephan um 1030 das Bistum Czanad am Maros gab. Hier begründeteer dann das Christentum fester und legte eine Schule an, wo Deutsche,Böhmen, Polen und Franzosen — so steht es wenigstens in der Vita Gerardi —sich unterrichten ließen. In seiner Stellung ist Gerard natürlich mit vielenbedeutenden Persönlichkeiten bekannt geworden, aber da uns anscheinendnur eines seiner Werke überliefert worden ist und er hier nur ganz seltenauf ihm bekannte Persönlichkeiten anspielt, so wissen wir vom Umkreisseiner Bekannten nur sehr wenig. Zugleich aber erfahren wir an jenenStellen etwas über verlorne Werke Gerards. Zunächst spricht er (3 p. 64)von einem Dodo, nachdem er vorher erzählt hat, daß er in dem Werke desEucherius ad Salonium über die Zahlen gelesen habe. Isingrim — ihm istdie Deliberatio gewidmet — wisse wohl, daß der Presbyter Dodo von ihmeinst (Belehrung?) darüber empfangen habe; es scheint sich hier um eineSchrift über die beliebte Zahlensymbolik zu handeln, die wohl Gerard selbstverfaßt hat. Daraus ergibt sich aber, daß Dodo mit dem uns unbekanntenAdressaten Isingrim in Beziehungen stand. Etwas mehr Licht fällt aufdas Verhältnis Gerards zum Abt Richard. Es handelt sich hierbei um eineSchrift Gerards De divino patrimonio, die dieser nach p. 258 vor kurzemeinem Andreas ■— Gerard nennt ihn dort divinus frater — übersandt hatte.Etwas deutlicher spricht er sich gegen Ende seines Werkes p. 296 darüberaus, indem er sagt, daß er im vorigen Jahre die Schrift dem PresbyterAndreas divinae germanitatis viro gesendet habe; sie befinde sich jetzt beimAbt Richard. Andreas ist uns unbekannt, Richard aber ist der berühmteReformabt von St. Vannes in Verdun, mit dem Gerard wohl bekannt ge-worden war, als jener 1025 bei einer Pilgerfahrt nach Jerusalem durchUngarn kam. 2 ) So reichten die Beziehungen Gerards, der selbst früher inFrankreich gewesen war, nach Lothringen und zwar hier unmittelbar in
') D. G. 2,209. I Richard Abt von St. Vannes S. 97, daselbst
2 ) Richard trat sie im Oktober 1025 an , über Ungarn S. 44 f.und kehrte 1026 zurück, vgl. E. Sackur, |