74 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
aliis aedificio cadente corruü ipsoque . . . inlaeso Brun Wirciburgensis episcopus loetalitercum aliis collapsus post unam ebdomadam 7Kai. Iunii obiit: Chron.Wirziburg. (MG. SS. 6,30, 53)6 Kai. Iun. Brun Wirciburc episcopm obiit anno domini 1045, sedit a. 11, m.l, d. 14; FrutolfiChron. 1045 (MG. SS. 6, 196, 7) und Lamperti ann. 1045 (MG. SS. 5,153, 31), dazu das Epitaphbei Denzinger Prol. 1, 7 (Migne 142,19C). Die Widmung bei Denzinger col. 39 Sit collegatuae sortis, pater o Kiliane, Antistes dono qui te veneratur in ipso. Die Stelle zu Papiascol. 41B sive ut Papias dicit asterisci. Die Stelle bei Albericus zu 1053 (MG. SS. 23,790)Anno 1053 13 imperatoris Henrici filii Conradi Papias librum suum scilicet elementariumdoctrinae rudimentum edidit quod probatur per numerum annorum ubi agit de aetatibussaeculi in prima littera et enumerando pertingit usque ad hunc annum. Denzingers Ein-spruch gegen 1053 vgl. Prol. 3,15 col. 28B. Die Stelle bei Papias lantet nach G. Goetz(a. a. O. S. 274) Otto minor XXII. Otto puer sex. Henricus maior XXIII. Conradus XVI.Henricus minor XIII. Die Grammatik des Papias kann von Bruno nicht gemeint wordensein, da sie nach dem Glossar verfaßt ist, vgl. Goetz a.a.O. S. 275. Zu den Quellen vgl.Denzinger Prol. 3,13 col. 25D, zu dem von Bruno benutzten Psalmenexemplar Prol. 3,14col. 26C—28A. Ueberlieferung. Das Autograph Brunos scheint verloren und die dreiAnführungen des Werkes eines Bruno über die Psalmen (Limoges s. XII bei Delisle, Lecab. des mser. 2,499 N. 78, Toulouse 1337 in Bibl. de l'ec. des chartes 51,447, und Pavia1426 in Indagine storiche 2, 62 N. 698) sind jedenfalls eher auf Bischof Bruno von Segnizu beziehen. Auch die von Cochlaeus benutzte Hs. aus Sagan ist verloren. Erhalten hat sichBrunos Werk im Oxon. Rawlinson G 163 s. XI (wahrscheinlich aus Tegernsee). Ausgabenvon Reyser, Würzburg ca. 1480 und von Cochlaeus, Leipzig. 1533; beide wurden neben einerkürzenden US. aus Ebrach benutzt von H. Denzinger in seiner Ausgabe bei Migne 142,39—568; derselbe druckt einige späte Wunder Brunos (saec. XIII) col. 35—40 ab, die aberohne irgendwelchen Wert sind.
9. Gerard von Czanäd.
Mit Gerard von Czanäd berühren wir einen der sonderbarsten Schrift-steller des 11. Jahrhunderts. Von seinem Leben ist nicht viel Sicheres be-kannt, denn seine Lebensbeschreibung, wie sie heute vorliegt, ist erst im13. Jahrhundert verfaßt, 1 ) wenn auch ältere Nachrichten darin benutzt sind,und die Legenda Gerardi maior ist nach den Ausführungen von Kaindl (Arch.f. österr. Gesch. 91, 3 ff.) aus dem 13., die Legenda minor aus dem 11. Jahr-hundert. Danach stammte Gerard aus Venedig und zwar aus vornehmerFamilie, und daß er Italiener war, dürfte nach dem in seinen Schriften häufigvorkommenden Umstände, ein mit Vokal beginnendes Wort mit h anzufangen,wohl richtig sein. Frühzeitig und zwar erst fünfjährig, soll er dem Georgs-kloster seiner Vaterstadt übergeben worden sein und nachdem er fünf Jahrezur Klosterschule gegangen war, sich wesentlich vor den Altersgenossen aus-gezeichnet haben. Später wurde er von seinem Abt Wilhelm nach Bolognageschickt, um sich hier in Grammatik, Philosophie, Musik, Rechtswissenschaftund den freien Künsten weiter auszubilden. Mit diesem Aufenthalt in derFremde hängt vielleicht eine Reise nach Frankreich zusammen, denn Gerarderzählt in seiner Deliberatio, 2 ) daß er einst bei seinen Platostudien in Frank-reich auch Darlegungen über den Gott der Hebräer fleißig gelesen habe; viel-leicht studierte er damals bei Fulbert in Chartres, dessen Ruhm ja so vieleSchüler anzog und der auch zu Ungarn, der zweiten Heimat Gerards, in Be-ziehungen stand. Nachdem nämlich Gerard zurückgekehrt war, wurde er inseinem Kloster zum Abt erhoben und als solcher beschloß er, eine Pilgerreisenach Bethlehem zu machen. Er bestieg in Zara ein Schiff, wurde aber durch
') Vgl. Marczali, Ungarns Geschichts- I 2 ) S. Gerardi scripta et acta... op. et
quellen im Zeitalter der Arpaden (1882) S. 30 f. j stud. Ignatii comitis de Batthyan p. 84.