72 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
Von seiner Jugend ist nichts bekannt, außer daß er Kleriker wurde, denner war später Propst zu Goslar. Im Jahre 1034 erhob ihn sein kaiserlicherVerwandter Konrad II. zum Bischof von Würzburg und seine Wirksamkeitin dieser Stellung wird in einem sächsischen Annalenwerk mit den einfachenWorten gefeiert a deo (latus. 1 ) Er starb am 27. Mai 1045, als er den Kaiserauf dem Zuge nach Ungarn begleitete, infolge eines Unglücksfalles. Brunoverfaßte nach dem Anonymus Mellicensis eine Schrift gegen die Simonisten.Ich möchte diese Nachricht auch nicht so unbedingt ablehnen, wie dasDenzinger getan hat. Denn Brunos Bischofszeit fällt ja zum Teil unter die Re-gierung Heinrichs III., der frühzeitig antisimonistische Regungen begünstigte,und außerdem verfaßte der wohl in Prüfening schreibende Mönch seineLiteraturgeschichte mit ungewöhnlicher Sachkenntnis und unter Benutzungvon trefflichen Hilfsmitteln, die uns heute nicht mehr zu Gebote stehen; obdas Carmen episc. Brunonis invehentis erga papam (Wiener SB. 54 (1867)S. 313 f., gemeint ist?'
Sicher aber hat Bruno einen großen Kommentar zu den Psalmen,zu den Liedern der Bibel und zu kleinen christlichen Stücken verfaßt. Undzwar war er schon Bischof, als er dies umfängliche Werk schrieb, denn erwidmete es mit zwei Versen dem hl. Kilian und nennt sich darin Antistes.Gewisse Schwierigkeiten erheben sich allerdings dadurch, daß Bruno im'ersten Stück seiner Vorrede den Papias zitiert. Da es sich an der Stelleum das kritische Zeichen des Asteriscus handelt, so erscheint der griechischeSchriftsteller des Namens doch ausgeschlossen, und man hat es hier wohlmit dem Glossographen und Grammatiker zu tun. Dessen Zeit wird nunfreilich nach Albericus von Trois-Fontaines 1053 angesetzt 2 ) und danachkönnte ihn Bruno also nicht benutzt haben. Denzinger hat dem gegen-über darauf aufmerksam gemacht, daß die Stelle, auf die sich Albericusstützt 3 ) (s. v. Aetas), Heinrich III. dreizehn Königsjahre gibt, daß aber alsAnfang dieser Zeit nicht 1039, sondern schon 1028 zu gelten habe, so daßals Zeit der Abfassung 1041 festzuhalten sei. Dem widerspricht aber, daß,wie Papias in der Vorrede selbst bemerkt, zehn Jahre Zeit zur Abfassungdes Werkes nötig waren, und da jene Stelle ganz am Anfang des gewal-tigen Glossars steht, so würde man doch mindestens auf das Jahr 1050kommen. Auf diese Weise würde die Benutzung des Papias durch Brunoals ausgeschlossen zu gelten haben, wenn man nicht die immerhin rechtunwaln'scheinliche Annahme machen will, daß Papias Lehrer des Brunowar, oder daß dieser das Glossar schon lange vor seiner Vollendung kannte.Ich möchte mich daher fast zu der Ansicht entscheiden, daß hier auf eineandre Schrift des Papias Bezug genommen wird, die vor dem Glossenwerkerschienen ist. — Bruno hat sich nun seine Aufgabe sehr leicht gemacht,indem er sowohl die Einführung zu seiner Arbeit wie sein Werk selbstlediglich aus Stücken zusammensetzt, die er den Vätern entnahm. Dererste Abschnitt der Einführung besteht aus dem Briefe des Hieronymusan Paula und Eustochium über den Obelos und Asteriscos. Darauf folgt
') Ann. Hildesheim. 1034 (ed. Waitzp. 38) I 2 ) So auch G. Goetz, Münchner Sitzungs-post quem Bruno patruelis imperatons sub- | berichte 1903 S. 273 f.intravit a deo daüis. 3 ) Vgl. bei G. Goetz S. 274.