Bern von Eeichenau.
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Am meisten hat aber Berno in der folgenden Zeit durch seine musi-kalischen Werke fortgelebt, die besonders durch Sigebert von Gembloux,aber auch durch den Anon. Mellicensis 1 ) erwähnt werden und vielfach ab-geschrieben worden sind. Sigebert 2 ) widmet ihnen folgende Worte: Fraetereoea quae de humana scientia scripsit, in quibus eminet hoc quod in arte musicapraepollens de regulis symphoniarum et tonorum scripsit et quod in tnensu-rando monochordo ultra regulam Boetii sed assensu minoris Boetio Guidonissupposuit unum tonum tetrachordohypaton et contra usum maiorum in ipsotetrachordohijpaton in sentit utiliter synemmenon. Diese Arbeiten gliedern sichin drei oder vier Schriften, je nachdem der Prolog zum Tonarius als eignesWerk gilt.
6. Tonarius mit Prolog. Erzbischof Piligrim von Köln hatte anBern die Aufforderung gestellt, ein Werk über Musik zu schreiben, ohneZweifel hatte er von den einschlägigen Studien und der Begabung desAbtes für Musik gehört. Bern kam diesem Wunsche nach, obwohl er sichin der Widmung an Piligrim für viel zu tiefstehend hielt, und übersandteihm den Tonarius, für den er aber eine ausführliche Einleitung, die er Pro-legomena nennt, als notwendig erachtete. Hier im Prologe behandelt Bernnach A. Schubiger 3 ) unter teilweiser Abweichung vonBoethius, aus dessenmusikalischem Werke der Anfang genommen wird, 4 ) „die Tonleiter, die neunGattungen der damals gebräuchlichen Intervalle, die Konsonanzen, die achtTonarten beim Kirchengesang, deren Grenzen, gemeinschaftliche und un-bestimmte Tonarten, die Differenzen der Psalmodie, die melodische Formelzur Erkenntnis der Tonweisen, den langen und kurzen Wert der Töne unddie Lage des Semitoniums". Das Tonar selbst folgt auf diesen ausgedehntenProlog und ist nach Schubiger eine ausführlichere Definitionstabelle, inder einerseits die melodischen Formeln zur Bestimmung der Tonweisenangegeben werden, andererseits die Tonarten der einzelnen liturgischenGesänge verzeichnet sind, nämlich der ßesponsorien, Introitus, Gradualien,Alleluja, Offertorien, Communionen und Antiphonen. Am Ende dieser Tabellebemerkt Bern, daß er aus Liebe zu Petrus dem Wunsche Piligrims nach-gekommen sei. Verwendet hat Bern für seine Arbeit, die sich durch einegewisse Selbständigkeit Boethius gegenüber auszeichnet, die unter demNamen Cita et vera divisio monochordi bekannte Schrift, 5 ) und ein anderesmusikalisches Werk 6 ) hat man später seinem Prologus einverleibt. DieTerminologie des theoretischen Teiles beruht natürlich auf Boethius.
Widmung (col. 1099 A) Domino deoque düecto Piligrino vero mundi huius advenae etperegrinq Berno licet parvus meritis servus tarnen dei genitricis virginis. Aufforderung durchPiligrim und Lob von dessen musikalischer Befähigung haud facile indagare vdleo quid causaeextiterit, quod tu quem non solum quatuor matheseos disciplinarum speculatio quadratum,verum etiam caelestis liarmoniae melos divinis Jaudibus iugiter reddit intentum, me ut itadicam semivocalem . . . de canora mnsicae modulatione aliquid proferre. Praesertim cum inecclesia plebis a deo exaltatus et in cathedra seniorum laudatus . . . percipias qualiter sapienset te praesule felix Colonia . . . psallat domino deo . .. Et quoniam . . . hoc obedientiae opus
') Kap. 81 (ed. Ettlinger S. 81) Bern ...scripsit ...et de musica opuspraestantissimum.
'') De Script, eccl. 156 ed. Miraeusp. 155.
3 ) Die Sangerschule von St. Gallen (Ein-siedeln 1858] S. 83.
4 ) Vgl. Prol.l (col. 1100 A). Vgl. außerdem3 (1101 D) und 5 (1105 B).
5 ) Gedruckt bei Gerbert, Scriptores demusica sacra ecclesiastici 1, 313.
6 ) Anonymus I bei Gerbert 1, 331—338.