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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
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Bern von Reichenau. 63

unterhielt Bern Briefwechsel, der besonders deshalb wichtig ist, weil sichan ihn mehrere seiner größeren Schriften anknüpfen. So sandte er anErzbischof Aribo von Mainz um 1021 eine Schrift, in der er im Gewändeeines Dialogs die Quatembertage zeitlich bestimmt; seine Festsetzung dieserTermine wurde denn auch von Aribo 1022 auf einer Synode in Seligenstadtübernommen. Mindestens fünf Jahre später widmete er dem Aribo eineSchrift, die darauf Antwort geben soll, ob, wenn Weihnachten auf einenMontag fällt, der vorhergehende Sonntag als Vigilie des Festes oder alsvierter Adventssonntag zu betrachten sei; in einer kurzen Antwort be-stätigte der Erzbischof dankend die Richtigkeit der darüber vom Abte ge-gebenen Bestimmung. Wahrscheinlich etwas später wurde Bern vom Erz-bischof Piligrim von Köln zu einem Werke über Musik aufgefordert, undBern widmete ihm daranf seinen Tonarius, den er mit einer großen Ein-leitung versah, der er einen hübschen, allerdings etwas wortreichen undmit Zitaten geschmückten Brief voranstellte. Auch zu Heinrich III. gelangteBern in ein näheres Verhältnis, denn aus einem an diesen König 1044 ge-richteten Schreiben geht hervor, daß dieser im Besitze der Schriften Bernsgewesen ist. 1 ) In diesem Schreiben überreichte Bern dem Könige zweivon ihm verfaßte Predigten, eine über das Epiphaniasfest und die andereüber das Abendmahl. Wenn er in dieser letzten sich zu einer Auseinander-setzung über die wahre Buße wendete, so traf er hier mit der GesinnungHeinrichs III. zusammen, der jedenfalls an der mystischen Gleichstellungder Zeitereignisse mit biblischen Erzählungen in dem Schreiben seineFreude hatte. Bern geht nämlich nach weitschweifigen biblischen Ergüssenvom Siege Heinrichs an der Raab (4. Juli 1044) und von der UsurpationAbas — er heißt hier Ovo — aus und begleitet diese Ereignisse mit einergroßen Zahl von hauptsächlich alttestamentlichen Stellen, die zum Vergleicheherangezogen werden. Im weiteren Verlaufe des Schreibens erbittet Bern desKönigs Verzeihung für die frühere Äbtissin Hirmingart von Zürich, die wegenVerletzung des Keuschheitsgelübdes abgesetzt worden war. Er stellt demKönige den bedauernswerten Zustand der Gefallenen vor und wendet sichzugleich an die Königin Agnes, die ihren Gemahl bitten möge, die reuigeSünderin wieder in ihr Amt einzusetzen. Es ist unbekannt, ob Heinrich III.dieser Bitte nachgegeben hat, aber vier Jahre später war er bei der Weiheder neuen Stiftskirche in Reichenau anwesend. Kurz darauf starb Bernam 7. Juni 1048, nach fast vierzigjähriger Regierung. Er hatte in dieserlangen Zeit nicht nur materiell für sein Stift vortrefflich gesorgt, sondernauch durch sein eignes Beispiel der hier neu erblühenden Wissenschaft denPfad geebnet: lebte ja hauptsächlich unter seiner Amtsführung der größteGelehrte der Zeit, Hermann der Lahme, als Mönch in Reichenau.

Zeugnisse. Zum Namen vgl. Herimanni Chron. 1008 (MG. SS. 5, 119), 1032 p. 121 und1048 p. 128, wo übereinstimmend Bern steht; dieselbe Form in der Widmung von Qualiteradventus domini etc. (Migne 142, 1079B) und in der Widmung des Dialogs über dieQuatemberfasten (col. 1087C). Zum Aufenthalt in Fleury vgl. De initio adventus domini

') Archiv f. Kunde Österreich. Geschichts-quellen 20,200 ut si dignum ducüis, Mosnostria scriptis adnecti iubeatis. Der ausführ-liche Brief steht im Heidelberg. 9 XX s. XII,

abgedruckt — ohne die beiden Predigten —von Strehlke, Archiv etc. 20,191—206 mitEinleitung.