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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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62 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Fleurys angelockt, denn er wurde dort Mönch und mag jener berühmtenStätte nicht wenig von seinen literarischen Kenntnissen verdanken; nochim Jahre 999 ist er in Fleury nachweisbar. In einer kleinen Schrift er-wähnt er, daß er zu Fleury einem Streite zwischen den dortigen Brüdernund den Kanonikern von Orleans beigewohnt habe, wobei schließlich die-Mönche mit ihrer Anschauung über den Anfang der Adventszeit den Siegdavongetragen hätten, als man den Streit auf einer Provinzialsynode zuOrleans schlichten wollte. Von Fleury wandte sich Bern nach dem KlosterPrüm in Lothringen, das in der Wissenschaft ebenfalls einen hervorragendenRang einnahm. Seines Bleibens scheint hier aber nicht lange gewesen zusein, denn im Jahre 1008 erhob ihn Heinrich II. zum Abt von Reichenau.Wahrscheinlich stammte Bern aus einer hervorragenden Familie und daer sich des Rufes großer Gelehrsamkeit erfreute, so mochte ihm der Königdie Leitung dieses bedeutenden Klosters anvertrauen, dessen Abt Immosoeben von ihm wegen seiner grausamen Härte abgesetzt worden war. Bernwurde in Reichenau mit Vertrauen aufgenommen und er ging sofort daran,die Brüder, die sich aus dem Kloster entfernt hatten, zurückzurufen. DieWeihe empfing er durch Bischof Lantbert von Konstanz und vierzig Jahrestand er nun, durch Wissen und Frömmigkeit gleich ausgezeichnet, demKloster vor. 1 ) Er gehörte nun zum hohen Reichsklerus und stand fortanmit seinen Standesgenossen wie auch mit dem Hofe und dem Könige inBriefwechsel. Leider hat sich davon nicht viel erhalten, aus den Restenseiner Korrespondenz erkennt man aber den hochstehenden Herrn, der denErzbischof Gero von Magdeburg in seinen Amtspflichten unterweist, deran Kaiser Heinrich IL, dessen Krönung er in Rom beiwohnte, voll tieferVerehrung und Dankbarkeit schreibt und sich Kunde über dessen Gesund-heitszustand sowie über den Erfolg des Krieges von ihm ausbittet, derden Reichenauer Mönchen Verhaltungsmaßregeln nach dem Tode des BrudersHeinrich zukommen läßt und den Tod dieses Mönches einem Freunde be-kanntgibt, der mit vielfältigen Zitaten aus Ciceros Laelius einen Bischofüber den Begriff der Freundschaft unterweist, vielleicht denselben Bischofum Reliquien und Wunder des hl. Ursus und einen Kuno um ein Stück desLeibes von diesem Heiligen bittet, der einem andern Bischof über denThronwechsel und Wahltag im Jahre 1024 schreibt und in einer gelehrtenAbhandlung an Pfalzgraf Friedrich an der Hand von Cassiodor und Prosperdem Cassian Unrichtigkeiten bezüglich seiner Auffassung des menschlichenfreien Willens nachweist. Eine besondere literarische Ausbeute gewährendiese Briefe zwar nicht, sie lassen aber erkennen, daß der hohe Klerusim Reiche zu jener Zeit neben den großen Verwaltungsaufgaben, die erzu lösen hatte, doch auch noch in selbständiger Weise an den theologischenFragen teilnimmt. Aber auch mit den ersten Kirchenfürsten Deutsehlands

') Daß er sehr darauf bedacht war, dem Veringen beklagt. Der Brief steht im Carol.

Kloster abhanden gekommene Güter zurück- Augiens. 146 s.XII f. 112 b und ist von A.Hol-

zugewinnen, zeigt der an Wernher I. von der a. a. 0. 13, 630 f. herausgegeben. Er ge-

Straßburg (vgl. hierzu A. Schulte, Ztschr. hört in die Zeit von 10241027. Eine Ur-

f. d. Gesch. d. Oberrheins N. F. 3, 351 gegen künde Berns findet sich verdeutscht bei Gallus

A. Holder, Neues Archiv 13, 630) gerichtete i Oehem ed. Brandi, p. 80,33.ff.

Brief, in dem er sich bitter über Wolfrat von |