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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Ratherius von Lüttich..

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seine Darstellung, die von einem besonders hohen Ernst getragen ist undweniger nervöse Erregtheit verrät als manche andere seiner Schriften.

In der römischen Synode kam freilich von diesen Dingen nichts zurSprache und erst kurz nach Ostern 967 wurde eine weitere Synode gehalten,auf der man über diese und ähnliche Dinge beriet. Hier erlangte Ratherwohl die Anerkennung seiner Auffassung, als er aber aus Ravenna zurück-kehrte und nun seinen gesamten Klerus zur Anerkennung der kaiserlichenBeschlüsse berief, erschienen einige Kleriker überhaupt nicht und einigeder Anwesenden weigerten sich einfach, von ihren Frauen zu lassen, 1 ) undder Bischof glaubte nun zu wirklichen Strafen greifen zu müssen, wie erin einem an Ottos Kanzler Ambrosius gerichteten Briefe höchst lebendigund eindrucksvoll darstellt. Die allgemeine Ursache des Widerstrebens aberwar, daß die Geistlichen glaubten, sie könnten ohne Frauen nicht leben,da sie von diesen erhalten würden. Infolgedessen wollte Rather eine ge-rechtere Verteilung der Kirchengüter bewirken, an denen der niedere Klerusnämlich fast gar keinen Anteil hatte. Die Zeit mochte hierzu günstig er-scheinen, denn Ende Oktober 967 befand sich Kaiser Otto mit seinemgleichnamigen Sohne zu Ravenna und stellte hier dem Rather ein größeresPrivileg aus, das dem Bischof fortan eine größere Macht verleihen sollte. 2 )Und kurz darauf bestimmte Rather in seinem Judicatum, daß die Güter,die er kurz zuvor mehreren besonders widerspenstigen Kanonikern seinerKirche entzogen hatte, 3 ) in Zukunft zum Unterhalt des niederen Klerusdienen sollten. 4 ) Das wäre, wenn Rather die Macht zur Durchführung ge-habt hätte, eine sehr heilsame Maßregel gewesen, und man ersieht darausdeutlich, daß es dem Bischof um eine durchgreifende Abhilfe wirklich Ernstgewesen ist. Aber an Gehorsam der Kleriker war nicht zu denken, nament-lich da der Graf Nanno von Verona auf ihrer Seite stand.

Rather richtete zwar an seinen ungehorsamen Klerus noch einmal eineabmahnende Schrift De clericis sibi rebellibus 5 ) und hielt versöhnlichePredigten, doch es blieb ihm schließlich nichts übrig, als in einer weiterenSchrift Discordia die Genesis seines letzten Zerwürfnisses mit dem Klerusauseinanderzusetzen. Hier geht er von neuem auf das völlig unkanonischeLeben der Geistlichkeit ein und rügt die eingerissenen Mißbräuche mittiefer sittlicher Entrüstung. Er widmete diese eindringliche Klagschriftdem kaiserlichen Kanzler Ambrosius, jedenfalls damit sie dem Kaiser selbstvorgelegt werde. Freilich hatten sich die Veroneser Kanoniker schon vorheran Otto I. gewendet und waren außerdem kürzlich auch beim Papste gegenihren Bischof klagbar geworden. 6 ) Einer unter ihnen, der sich durch be-sondere Feindseligkeit auszeichnete, verkehrte mit Rather öfters, wobei ersich gesuchter Rede im Stile von Martianus Capella bediente, was denBischof veranlaßte, in seiner letzten Verteidigungsschrift, dem Liber apo-logeticus, dessen mit Spott zu gedenken. In dieser Schrift setzt er sich

') Vgl. den Brief Rathers an Ambrosius 5 ) Migne 136,613618.

(den Kanzler Ottos I.) c. 1. 2 col.679681. 6 ) Liberapologeticus7 col.638BC.639 AB.

2 ) Migne 136, 599602. Hier heifit es, daß man sich nach Rom ge-

3 ) Judicat. 2 col. 607 B und Discordia 7 wandt habe venalem illam, ut ait Salhistius,col. 626B und 627 A. urbem (Jug. 20,1) col. 639 A.

4 ) Judicat 2 col. 608.609.