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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
So erließ er denn an den gesamten Klerus von Verona seine Syno-dicä, ein Synodalschreiben, dessen Notwendigkeit er im Eingange begründet.Das Schreiben enthält eine durchaus elementare Belehrung der Geistlichenin bezug auf ihre Pflichten gegen die Kirche und gegen die Laien, und erbedient sich im späteren Teile seiner Schrift 1 ) der wohl im 8. Jahrhundertentstandenen Admonitio synodalis; am Schlüsse schärft er seinem Kleruseine ganze Reihe Verordnungen 2 ) ein, die seit langem vernachlässigt wordenwaren. Doch schon nach kurzer Zeit wandte er sich in einer neuen SchriftDe nuptu illicito gegen die Verheiratung eines Priesters mit einer Priesters-tochter und mußte hier auf die Verderblichkeit der neuen Übertretung derKirchengesetze scharf aufmerksam machen. Mit dem Ende des Jahres 966aber gewann es den Anschein, als ob sich Rathers Stellung stärken sollte.Wieder kam der Kaiser nach Italien und da für seinen Aufenthalt in Romwichtige kirchliche Beschlußfassungen in Aussicht standen, so faßte Ratherden Plan, nach Rom zu reisen, um an den Synoden teilzunehmen.
Da man sich in Verona über den Zweck dieser Reise allerhand Ver-mutungen hingab, verfaßte Rather Ende November und Anfang Dezembersein Itinerarium. Er setzt im Eingange dieser Schrift auseinander, daßer nicht des Gebets und auch nicht des kaiserlichen Befehls halber, sondernwegen eines Konzils nach Rom gehe, um dort genaue Kunde wegen derVorschriften über die Priesterehe einzuholen; er hoffte jedenfalls hierbeiauf die tätige Mitwirkung des Kaisers bei dem Konzil, denn diesen bedenkter in Kap. 2 mit außerordentlichen Lobsprüchen, und die Schwäche desPapsttums jener Zeiten konnte ihm unmöglich entgangen sein. 3 ) Denn ermeint, daß die klügsten Männer Italiens und Deutschlands sich in Romeinfinden werden, und er hofft von diesen über die einzelnen Kapitel, dieer zu dem Zweck aufgezeichnet habe, gründliche Belehrung zu empfangen;denn seine Fragen beträfen nur das, was allgemein befolgt werden könnte,wenn man nach dem Willen Gottes leben wolle. Dann gibt er eine gedrängteÜbersicht über das Mißgeschick seines eignen Lebens und spricht von derunbedingten Notwendigkeit der Einführung synodalen Lebens in seinerDiözese, wofür er aber jetzt keinerlei Unterlage habe. 4 ) Und im Gegensatzhierzu schildert er mit beredten Worten, mit welchem Hohne man in Veronaseinen früheren Versuch, Synoden einzuführen, abgewiesen habe. 6 ) In dennächsten Abschnitten erhebt sich Rather fast zu reformatorischer Höheder Gesinnung, indem er von der Verkommenheit der Kirche spricht undBesserung im Leben der Kleriker erhofft. Dabei gedenkt er mit ziemlicherBreite eines Vorfalls, der sich einst mit zwei irischen Bischöfen ereignethatte und den Rather in der einfachen Sprache der von ihm benutztenQuelle wiedererzählt. 6 ) Mit einem Hinblick auf den Wunsch des VeroneserKlerus, daß der Bischof nie wieder zurückkehren möge, schließt Rather
') Kap. 6 col. 558 C Admonemus etiam etobsecramus, sicut alibi scriptum invenimiis.
2 ) Wie c. 13 col. 564B, daß jeder Priesteretwas gelernt haben müsse.
3 ) Die Sätze, die sich in Kap,. 2 col. 582auf Rom beziehen, könnten fast wie Ironielauten, aber sie scheinen in diesem Zusammen-
hange wohl ernsthaft genommen werden zumüssen.
*) Kap. 5 col. 585 B quod dicerem me, undesynodare deberem, omnino nescire.
5 ) Kap. 6 col. 587 A B.
6 ) Kap. 14 col. 596. 597.