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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Balderich von Utrecht, Rotbert von Trier und die Grafen Raginar undRuodvolt, berührt seine Aufnahme bei Wilhelm von Mainz und kommt dannauf sein eignes Verhältnis zu seinem neuen Werke zu sprechen, in dem erdurch Parenthesen das Verständnis erschwert habe. Auch sei er genötigtworden, vielfach Beispiele aus Cicero, Vergil, Horaz und andern Dichternanzuführen. Dann spricht er von der Zusammensetzung des Werkes, in demer einzelne Teile mit Versen gemischt habe, wie Martianus, Fulgentius undBoetius es getan hätten; andere beständen wieder aus Briefen, wofür jaAugustin, Hieronymus und Gregor, sowie Cicero, Seneca und Plinius 1 ) mitihren Briefsammlungen als Vorbilder gelten könnten, desgleichen bei denDichtern Horaz und Ovid. Schiedlich vergleicht er sein Schicksal mit NerosUnglück, der vor seinem Tode weder einen Freund noch einen Feind fand. 2 )Das erste Buch oder die eigentliche Phrenesis wendet sich gegen Rotbertvon Trier und hier erzählt Rather von seiner Erhebung in Lüttich und vonseiner Verjagung durch die Feinde, von denen er Balderich von Utrechtbesonders nennt. 3 ) In den folgenden schwer verständlichen Auslassungenführt er mehrfach Terenz und Horaz sowie Persius 4 ) an und gedenkt dabeiin Kapitel 16 seiner scharfen Einsprache gegen die Weihe des jungen Bal-derich am Gründonnerstage 955; und zwar beruft er sich hierbei auf dasfünfzehnte Stück seines Buches. Das Ende der Phrenesis bilden dann zweiGedichte, die er auf den angeblichen Tod Rotberts schreibt, und eine kurzeAuseinandersetzung mit Balderich, sowie ein längeres Glaubensbekenntnis,das schon die letzten beiden Kapitel des dritten Buches der Praeloquia bildet.Da aber bei der Aufzählung der zwölf Bücher dies Bekenntnis dem zweitenBuche zugeteilt wird, so ergibt sich, daß also auch ein Teil des zweitenBuches erhalten ist. Hierzu gesellt sich als elftes Buch die Conclusio delibera-tiva, die wir schon oben besprachen, und vielleicht gehörten auch noch dieBriefe an alle Gläubigen, an Rotbert und Bruno zu dem Werke. Alles übrige, 6 )das zur Phrenesis rechnete, ist nicht mehr vorhanden und vielleicht vonRather selbst vernichtet worden.

Dieser zog sich darauf wahrscheinlich in das Kloster Alna bei Lobbeszurück, wo er die Stellung eines Abtes einnahm 6 ) und von wo er wahr-scheinlich einen demütigen Brief an Erzbischof Brun von Köln richtete,von dem sich allerdings nur ein Auszug in der wenig glaubwürdigen zweitenLebensbeschreibung Bruns erhalten hat. 7 ) Hier in der Stille eines kleinenKlosters kam er wieder zu sich und er begann nun seine Beichte zu schreiben,die ein längeres Werk in sechs Abschnitten 8 ) darstellt, dem er den TitelAuszug aus dem Beichtdialoge" voranstellte. Er hat nämlich hier,wie schon früher in den Praeloquia, öfters zur dialogischen Form gegriffen,

') Er kennt die Briefe von Plinius demJüngern, vgl. Kap. 22 col. 391 B facete satisenim Plinius ait Seamans, gratiam malorumtarn infidam esse quam ipsos, Plin. epist. 1, 5,15 (ed. Keil p.4).

2 ) Nach Sueton Nero 47.

3 ) Kap. 10 col. 376 C.

4 ) 10col.377BAndr.prol.20f.; 13 col.381CHeaut. 2,1,10. 14 col. 382 C Hör. ep. 1, 16,45.19 col. 388 APers. 1,3. Hör. ep. 2,2, 58.

5 ) Darüber vgl. Vogel 2, 125131.

e ) Vgl. Dialogus confess. 21 (Migne 136,409 C) etfalsum nomen episcopi vel dbbatis.ferre; vgl. 22 col. 411B mihi qui estis com-missi, 24 col. 416 AB, 34 col.426D. Zu Alnavgl. Vogel 1,210 f.

') MG. SS. 4,278.

s ) Die Einteilung vgl. bei Vogel l,227n.Vortrefflich ist die kurze Würdigung der Schriftbei Hauck 3,290f.