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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
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Ratherius von Lüttich.

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Im Jahre 936 wurde Rather zwar von der Gefangenschaft befreit, aberseine harte Lage milderte sich damals nur in Verbannung nach Como, vonwo er jenen Brief an Urso nach Verona schrieb, auf dessen Anklage be-sonders er seine bischöfliche Stellung verloren hatte. 1 ) Außerdem schrieber damals an einige Bischöfe Burgunds, die eben eine Versammlung abhielten;er legt ihnen dar, daß er trotz ihres Wunsches nicht dabei habe erscheinenkönnen, da ihm die Freiheit fehle, und sendet ihnen zur Begutachtung diePraeloquien, die er sie um Gottes willen mit Liebe zu lesen bittet. 2 ) ImJahre 939 wurde er endlich frei und er wandte sich an Erzbischof Rotbertvon Trier, der ihn damals aufgefordert hatte, ihm einige Fragen zu be-antworten, die wohl wissenschaftlicher Natur waren und Dinge aus demAltertum betrafen. Denn in seinem Briefe an Rotbert (Ep. 3 col. 649 ff.)schreibt er, daß er seit seiner Abreise aus Deutschland keine Bücher mehrgelesen habe; wohl aber besinne er sich, daß er einst an den MailänderKlerus einige ähnliche Fragen beantwortet habe. Jetzt aber verachte er,was das lügnerische Griechenland sage, und er kümmere sich nicht mehrum den Caballinischen Quell und um den doppelgipfeligen Parnaß, 3 ) sondernum die reine Lehre der Apostel und um Christus. Und er übersende ihmsein einziges Buch, das er habe, nämlich die Praeloquia, 4 ) und bitte umdessen baldige Rücksendung. Aber auch an den jungen Bruno, den BruderOttos I., den späteren Erzbischof von Köln, sandte er dieses Werk mit einemäußerst unterwürfigen Briefe 5 ) und bat ihn um Erleichterung aus seinerüblen Lage und um persönliche Verwendung. Aus Como hatte er sich abereine kleine Schrift mitgenommen, das Leben des hl. Ursmar, des altenAbtes und Bischofs von Lobbes, das im 8. Jahrhundert von Anso im Klosteraufgezeichnet worden war; dies schien ihm dringend der stilistischen Ver-besserung bedürftig, und dieser hat er sich später, als er wieder Bischofvon Verona geworden war, unterzogen; denn die Worte in der WidmungRather, einst Mönch, jetzt aber Bischof von Verona" lassen die zeitlicheAnsetzung der Schrift durch Vogel 6 ) nicht zu. Während er nun auf derHeimreise begriffen war und in der Provence verweilte, bat ihn ein reicherMann, seinen Sohn Rocstagnus zu unterrichten. Zu diesem Zwecke ver-faßte Rather eine (verlorne) Grammatik, der er den scherzhaften NamenSparadorsum (schone den Rücken) beilegte. Es ist nicht unmöglich, daßdieser Knabe mit dem späteren Abt Rostagnus identisch ist, dessen Bücher-verzeichnis sich noch in einer aus Nevers stammenden Handschrift ein-getragen findet. Aus Dank für die geleistete Arbeit soll Rather in derProvence ein Bistum erhalten haben, das er aber wieder verließ, um dannnach Lobbes zurückzukehren. Vielleicht handelt es sich bei dieser ErzählungFolcuins nur um eine ansehnliche Pfründe, wie Vogel meint, 7 ) und nichtum ein Bistum; man hat allerdings keinen Grund, den Worten eines so

') Vgl. Praeloquia 3, 28 col. 244 B dum nieut penitus deficerem, tarn graviter accnsasti.

2 ) Dieser Brief ist N. 2 bei Migne 136,648 f.

3 ) Nach Persius, Prolog 1 f.

4 ) Daß es diese waren, ergibt sich ausFolcuin Gesta abb. Lobiensium 20 (MG. SS.

4, 64,4).

5 ) Daß der Brief in die Jahre 939 oder940 gehört, hat Vogel, Ratherius von Verona2, 148154 fast zur Evidenz erwiesen; an-ders 1, 132 f.

6 ) Ebenda Bd. 2,158. 193.') Ebenda 1,101.