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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Ratherius von Lüttich.

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stellenweise recht deutlich zur Schau, denn Rather glänzt gern mit An-führungen besonders aus der klassischen Literatur und erwähnt auch gelegent-lich in selbstgefälliger Weise seine Beschäftigung mit seltenen Büchern. 1 )Nämlich vergleichsweise sind seine Kenntnisse in der christlichen Literaturnicht ungewöhnlich groß, freilich wird es auch hier erst der genauerenNachweise bedürfen; sehr bedeutend aber ist der Umkreis von klassischerLiteratur, die ihm bekannt war, und auch die Zusammenstellung vonA. Hauck, die die Nachweise von Vogel erweiterte, bedürfen der Vervoll-ständigung. Zu Hause ist Rather in den Werken von Augustin und Gregor,die er sehr häufig benutzt und denen er sich in vielen Partien seiner Schriftenals Führern anvertraut. Doch mit mehr Neigung scheint er sich den Klassikernzuzuwenden, und je entlegener und seltener diese sind, mit um so größeremBehagen .führt er Stellen aus ihnen an. Freilich mag er nicht alle dieseKenntnisse in Lobbes selbst erworben haben, denn sein bewegtes Lebenhat in an manche wissenschaftlich bedeutende Orte geführt, wo er seinWissen erweitern konnte, vor allem nach Lüttich, Verona und Köln.

Nämlich im Jahre 926 ging Rather nach Italien. Er schloß sich hierbeian Hilduin an, der nach dem Verluste des Bistums Lüttich die Abtei Lobbesinnehatte und damals sein Glück in Italien versuchen wollte. Hilduin wandtesich an König Hugo von Italien, und es glückte ihm auch, von diesem dasBistum Verona zu erhalten, und zwar versprach Hugo die Abtretung diesesBistums an Rather, falls er Hilduin zu einem Erzbistum verhelfen könne.Rather aber muß mit dem italienischen Klerus sehr bald in literarische Be-ziehung getreten sein, denn in einem 940 von ihm an Rotbert von Triergesandten Briefe 2 ) erwähnt er, daß gleich zu Anfang seines Aufenthalts inItalien einige Mailänder Kleriker wissenschaftliche Fragen an ihn gestellthätten, zu deren Beantwortung er manches von dem Material genommenhabe, mit denen er seine (Rotberts) Fragen beantworte. Vielleicht ist mitdieser Schrift an die Mailänder das Werk gemeint, das er in seinen Prae-loquia 6, 7 3 ) anführt, wo er von dem treffenden Ausspruche eines Philo-sophen handelt und auf eine frühere Schrift verweist. Der Eindruck, denRather von der italienischen Geistlichkeit gewann, war übrigens kein gün-stiger, denn man hatte sich hier an ein völlig weltliches Leben gewöhnt,und der Bericht, den der deutsche Mönch über die hiesige allgemeine Zucht-losigkeit im 6.12. Kapitel des fünften Buches seiner Praeloquia 4 ) gibt,wirft die grellsten Streiflichter auf die bodenlose Verkommenheit der geist-lichen Kreise. Aus dieser Schilderung geht aber hervor, welch offenes AugeRather für die Beobachtung des Lebens hatte und daß er überhaupt zumSchriftsteller geboren war. Man hat es nämlich nicht mit einer gewöhn-lichen Schilderung zu tun, sondern die einzelnen Vorgänge lösen schnelleiner den andern ab und setzen sich zu einem bunten, beweglichen Bilde

') Vgl. Serm. 11.4 (Migne 136, 752B). woer über Catull und Plautus spricht. DieKenntnis des Plautus verdankt er der Hei-mat, vgl. Bd. 1,448 und Traube, NeuesArchiv 26,296 f. Catull lernte er in Veronakennen, vgl. Haupt, Opuscula 1,3.

2 ) Ep. 3, Migne 136, 649B. 650A.

3 ) Migne 136,323A. Die Note der Bal-lerini vergleicht richtig mit dem Aussprucheden Terentianus philosophus in Attos vonVercelli De pressuris ecclesiasticis bei Migne134,66 0.

4 ) Migne 136, 290C296B.