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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil,
quod appellatur perpendiculum ist wohl aus dem Argument des Werkes ent-nommen p. 43 f. fessus iam hinc perpendiculum ponam; er findet sich schon alsInskription für die zweite Fassung, s. Migne 134, 881 B. 1 ) Der Überarbeiterdieser Fassung muß in die Sprache und Absichten Attos gänzlich eingeweihtgewesen sein und danach war es vielleicht ein Mailänder Kleriker. Goetz(Leipz. SB. 48, 76—78) hat das 17. Kapitel nach Mai in der ersten Fassungund dann in der zweiten Fassung nach neuer Abschrift und nebst Glossenund Scholien mitgeteilt. Hiernach ist die Ausgabe zweiter Fassung vonJ. D. Mansi (Baluzii Miscellanea sacra p. 560) ungenau und entstellt. Daßder Liber glossarum mindestens in den Scholien benutzt ist, ergibt die Glossein c. 2 (Migne 134, 862 B) zu exippitare, die mit Corp. gl. lat. 5, 196, 27gleichlautet. Die Scholien sind zuweilen ausführlich und scheinen altesSprachgut zu verwerten, vgl. col. 863 C elogium~\ Elogia dicuntur ignominiaesive notae criminum. 2 ) Alogia vero dicuntur convivia, 3 ) bene quia antiquisilentes et quieti prandebant. Moderni vino in conviviis utentes, cum quo nonest fas custodire silentium, quaerunt inter pocula quod dia poemata narrent(Pers. 1, 30f.). Ante inventionem etenim vini neminem legimus in prandiis fuisselocutum. Übrigens ist auch die zweite Fassung schwer genug zu verstehenund daher ist die Übersetzung von Schultz (S. 73—100; von Kap. 15 — 17 istder Inhalt S. 98 f. summarisch angegeben) sehr nützlich.
Einzige Hs.: Vatic. 4322 s. XI (f. 35 a—48t ers te Fassung, f. 49"—69» zweite Passung).Außer dieser Hs. scheinen für Atto nur noch in Betracht zu kommen Vercell. arch. cathedr.40 s. X (?) und 53 s. X (?), vgl. Schultz S. 28 f. Ausgaben: Attonis opera cur. Burontiodel Signore, 1768 (ohne Polipticum). Mai, Script, vet. nova collectio 6,11 — 100 (mit Polip-ticum erster Fassung und den Scholien zweiter Fassung). Gesamtausgabe Migne, Patrol.134,27—894. Hauptschrift Jul. Schultz, Atto von Vercelli, Göttingen 1885. Watten-bach 1,481 n. 3. Ebert 3, 368 ff.
3. Ratherius von Lüttich.
Rather — er selbst nennt sich Ratherius — ist in der Nähe vonLüttich 887 oder bald nach diesem Jahre geboren. Es scheint, daß er eineradligen Familie entstammte, 4 ) und als kleiner Knabe wurde er von einemvornehmen Manne, vielleicht von seinem Vater, auf dem Peter-Paulsaltarezu Lobbes dem Kloster dargebracht. Als er herangewachsen war, verspracher an der -gleichen Stelle schriftlich sein Verbleiben im Kloster, und dieStudien, denen er sich hier hingab, wurden vielleicht vom Bischof Stephanvon Lüttich beeinflußt, wie A.Vogel aus der Ähnlichkeit des Stiles beiderMänner schließen will. 6 ) Ohne Zweifel eignete sich Rather im Kloster einereiche Belesenheit an, wie sich deutlich aus seinen Schriften ergibt, unddas mußte einem lernbegierigen und schnell auffassenden Geiste hier nichtschwer fallen, denn der Bibliothekskatalog des Klosters, der 1049 auf-gezeichnet wurde, zählt eine große Anzahl von Büchern auf, die zum Gebietder Artes liberales gehörten. Diese Belesenheit tritt in seinen Schriften
') Ebert 3, 369 hat jedenfalls mit Un-recht das Polipticum dem Atto überhauptabgesprochen und erst ins 11. Jahrhundertgesetzt.
2 ) Vgl. Corp. gl. lat. 4,16,21 und 5.192,34.
3 )Vgl. Corp. gl. lat. 4,15,4.
4 ) Vgl. dasProoem.4 zur Phrenesis(Migne136, 370 A), wo er selbst von seiner ingenuitasspricht.
5 ) Ratherius von Verona und das 10. Jahr-hundert 1, 24. Zur Oblation des Knaben vgl.Dialog, confess. 11 (Migne 136, 399BC.)