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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Atto von Vercelli.

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geschickt vermeidet, die Exzerpte aus den Vätern einfach aneinander-zureihen, wie das Hraban getan hat; er weiß die fremden Stücke meistgeschickt zu verbinden, ja infolge reichlicher Benutzung Isidors seinemWerke zuweilen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. 1 ) Auch fehltes bei ihm nicht ganz an Kritik, doch hat J. Schultz nachgewiesen, 2 ) daßsie mehr eine scheinbare als eine wirkliche ist; und zu eigentlicher Kritikan den Kirchenvätern war ja in jener Zeit überhaupt kein Raum, da docheine Persönlichkeit wie Johannes Scottus eben singulär geblieben war. Hinund wieder scheint es, als ob Atto Kenntnisse im Griechischen besessenhätte, 3 ) was nach seinem Polipticum nicht so unmöglich wäre; es ist freilicheher anzunehmen, daß er alle jene Stellen seinen Quellen verdankt, vondenen ich hier unter den selteneren noch Origenes*) nenne. Es fehlt diesemWerke ganz an persönlichen und Zeitanspielungen und auch aus ihm ge-winnt man kein Bild von den Kenntnissen in der alten Literatur bei Atto;er nennt zwar an einer Stelle (col. 140 A) vier griechische Philosophensowie Vergil, Cato und Ovid, führt aber in dem ganzen Werke nur einenVergilvers an, der zudem noch vielleicht auf Augustin zurückgeht. 5 )

Deutlicher tritt uns die Persönlichkeit Attos aus seinen Briefen undPredigten entgegen. Nämlich aus seinem jedenfalls reichen Briefwechselhaben sich neun Stücke in Verbindung mit zwei Briefen an ihn und außer-dem haben sich achtzehn meist sehr kurze Predigten erhalten, die oft nurAnsprachen gleichen. Schultz hat sich mit der Chronologie dieser Briefeund Sermones eingehend beschäftigt 6 ) und hat nachgewiesen, daß Brief 2ein Geleitschreiben zu der Neujahrspredigt von 925 (Serm. 3) darstellt.Diese Predigt ist insofern interessant, als sie sich gegen heidnische Ge-bräuche richtet, die noch im Schwange waren, und die antike Benennungder Sternbilder bekämpft. 7 ) Auch in anderen Predigten wendet sich Attogegen abergläubische Gebräuche (7. 13) und in einer (9) rügt er den Besuchvon öffentlichen Schaustellungen, wie sie von scenici, mimi und histrionesausgingen, worunter Schultz (S. 52 ff.) Bänkelsänger und Gaukler verstandenwissen will; insofern sind diese Predigten kulturhistorisch von Wert. Unterden Briefen befinden sich Hirtenbriefe an die Diöcesanen sowie an dieKleriker der Diöcese; von Interesse ist hier besonders die lange Ermahnung(9) an die Kleriker zur Keuschheit, wo Atto eine auf Juvenal 10, 22 zurück-gehende Boethiusstelle anführt. 8 ) Literarisch wichtiger ist eine Reihe vonBriefen, die sich an die Auflösung einer im geistlichen Sinne gedachtenVerwandtenehe durch Atto anknüpft. Der Mann namens Theoderich 9 ) hattesich an Bischof Azo von Como gewendet, und Azo hatte deshalb an Atto

*) Vgl. hierfür z. B. den Abschnitt überGallier und Galater, wo er (col. 493 C) erstnach Isidor die Etymologie gibt, dann überdie Grenzen Galliens sich äußert, dann überdie Gallograeker schreibt und eine Stelle ausVarro (nach Isidor 15, 1,63) anführt.

) Atto von Vercelli S. 64.

5 ) Vgl. Migne 134, 125B. 129D. 140C.853 B. Ferner Serm. 14 col. 853 B.

4 ) Migne 134.125A. 149B.204A. 205C.

5 ) Sprachlich Wichtiges erscheint col. 512 B

(mori uberibus und mortua navis). Die Er-zählung von Titus col. 544 C geht vielleichtauf Suet. Tit. 8 zurück.

s ) Atto von Vercelli S. 4654.

7 ) Den balteus Orionis nannten die Zeit-genossen Attos nach col. 836 D falx sectoria,das capnt Tauri nannten sie gallina.

8 ) Migne 134, 118C Boetio illustri vivotestante; die Stelle stammt aus Consol. phil.2, 5, ist aber ungenau wiedergegeben.

9 ) Ep. 5 col. 111A.