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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

finden sich in großer Zahl in der einzigen Handschrift, die der Lebenszeitdes Abtes noch nahe steht und in der diese Beigaben nicht erst erfolgten,sondern aus der Vorlage abgeschrieben wurden. 1 ) Und hier hat sich derAutor zuweilen über die Quellen für sein Gedicht ausgesprochen, wie Swo-boda (p. VIII adn. 1) angibt; er nennt Ambrosius, Augustin, Gregorius undden Physiologus, also einen sehr bescheidenen Umkreis von früheren Autoren.

Vita Geraldi. Ebenfalls in geistlichem Sinne, wenn auch für die Zeitetwas freier als gewöhnlich gehalten ist Odos letztes größeres Werk, DasLeben des h. Gerald, Grafen von Aurillac. Er übernahm diese Arbeit aufBitten des Abtes Aimo in Limoges, des Bruders von Turpio, der es wohlauch an Aufforderung hierzu nicht hatte fehlen lassen. Gerald, ein hoch-stehender Mann von großem Vermögen, hatte das Kloster Aurillac gestiftet,dessen Abtswürde jetzt auch Odo besaß; und so war es nicht zu verwundern,daß dieser die Arbeit übernahm, besonders da Gerald heilig gesprochenworden war. Bei einer Anwesenheit in Tülle besuchte er auch Aurillacund befragte hier besonders vier Personen, die in ihrer Jugend Gerald nahegestanden hatten, über dessen Lebensschicksale und Sitten. Es scheintdaher, daß Odo verhältnismäßig gewissenhaft zu Werke ging, und es mochteihm für die Heiligkeit seines Helden genügen, daß dieser ein Kloster ge-stiftet und selbst die Absicht hatte, Mönch zu werden; ferner war Geraldehelos geblieben und hatte doch anders gelebt als seine Standesgenossen.Nun ist allerdings Odos umfängliche Schrift über Gerald eher alles andreals eine Biographie, obwohl der Eingang den Ansprüchen an eine Lebens-beschreibung genügt. Odo geht nämlich sehr schnell zu allerhand kleinenErzählungen über, durch die er die moralische Qualität seines Heldencharakterisieren will; diese Erzählungen sind erst anspruchslos, sie mündenaber dann in einen breiten Strom der gewöhnlichen Wunderberichte.Außerdem haben sich von Odo fünf Predigten erhalten, in deren einer, diesich auf den Brand'der Martinsbasilika zu Tours (903) bezieht, zwei Verseaus der Vita Martini Fortunats angeführt werden (Migne 133, 746 C). Ober aber auch eine Schrift über Musik verfaßt hat, die ihm mehrfach bei-gelegt zu werden scheint, ist durchaus unsicher, da auch sein Biographhiervon nichts weiß. Im Jahre 942 ist Odo gestorben.

Zeugnisse. Das Geburtsjahr ergibt sich aus Vita Odonis 1,4 (Migne 133,450) Annoitaque dominicae incarnationis nongentesimo tricesimo nono et eins aetatis sexagesimo inmonastica religione tricesimo anno Bomam veniens. Zur Abkunft aus Le Maus 2 ) s. Sackur,Die Cluniacenser S. 44 und n. 3. Ueber den Vater erzählt er selbst Vita 1, 5 col. 46 B Veterumnamque historias, Iustiniani novellam memoriter retinebat. In suo nempe convivio evangelicussemper resonabat sermo. Verum siquando lis quoquo modo inter partes fuisset orta, tanta ineum censurae excreverat severitas, ut undique omnes ad eum ob diffiniendi proficiscerenturgratiam. Zur ersten Bildung Vita 1, 7 col. 46 C Post haec ablactatum cuidam suo presbyteroremotiori manenti loco me tradidit educandum et litterarum studiis imbuendum: weitereEntwicklung ib. 1, 3 col. 45 B sed intra domum Guilelmi robustissimi ducis Aquitaniae estalitus und nach eigner Erzählung 1, 8 col. 47 A coepitque pater meus per incrementa temporumnie ab ecclesiastico syibtrahere ordine et militaribus exercitiis applicare . . . Relictis tandemlitterarum studiis venatorum aucupumque coepi deservire officiis. Uebertritt in den geistlichenStand Vita 1,11 col. 48D Igiturvir b. Odo nono decimo aetatis suae anno confugiens apud beatum

') Vgl. die Ausgabe von Swoboda p. IX.

2 ) Er stammte aus fränkischem adligem

Geschlecht, s. Nalgodi Vita Odonis 2 (Migne

133, 85 0) Odo ex militari Francorum pro-sapia camis originem traxit.