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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

zu Charlieu mit einem Vasall Richer und seiner Frau angeblich zugetragenhatte, während die andere einen Presbyter aus der Gegend von Avranchesbetraf. Hierbei fußt er in Kap. 30 und 31 auf der Schrift Radberts Decorpore et sanguine domini und bringt einige abschreckende Beispiele fürden Hang zur Üppigkeit aus der Gegenwart bei (Kap. 34). Auch tritt derCluniacensermönch an einer Stelle deutlich hervor, wo er Kap. 36') vondenen spricht, die die strenge Regel mißachten. In diesem zweiten Buche,das allerdings den Stoff ohne straffe Disposition gibt, hat Odo ein weitausgiebigeres Quellenmaterial benutzt als im ersten, denn es erscheinenhier neben den Vätern (auch Cyprian, Orosius, Gregor v. Nazianz, Ambrosius,Josephus, Hegesippus) Anführungen aus Terenz (Kap. 7 col. 554 B), ausPaulus' Langobardengeschichte (11 col. 559 A), aus den Libri miraculorumGregors v. Tours (32 col. 577 B) und je eine Stelle wohl aus physiologischerLiteratur (9 col. 556 B) 2 ) sowie aus einem Liber Geronticon (7 col. 554 C).Doch auch jetzt genügte das Werk dem Abte nicht und er forderte Odoauf, noch ein drittes Buch anzuschließen, in dem er, dem Wunsche desBischofs gemäß, besonders über den Trost der Betrübten handeln-und d'enBischof geistlich beraten solle. In diesem dritten Buche gründet sich dieDarstellung besonders auf Hiob und dessen Auslegung durch Gregor, wo-bei aber auch viele andre Väter benutzt werden und Odo in Kap. 1922und 34 eine ganze Reihe Erzählungen aus der Gegenwart einflicht.Nebenbei werden auch Boethius (30 col. 613 D) und die Vita Martini 3 )(41 col. 626 A) benutzt, und es fehlt nicht ganz an der Anführung vonVersen (5 col. 593 C und 23 col. 607 B). Das ganze Werk ist schnell ent-standen und bezeugt das enge Verhältnis Odos zu Turpio v. Limoges, dessenBruder Aimo ja auch zu Odo in Beziehung getreten ist.

Occupatio. Nachdem Odo die Stellung als Abt erhalten, hat er unterteilweisem Zurückgreifen auf die in den Collationes niedergelegten Gedankenein größeres Gedicht in sieben Büchern geschrieben, dem er den TitelOccupatio gab. Der Grundgedanke hierzu ist ein ähnlicher wie zu denCollationes gewesen, nämlich die Aufzeigung des Schlechten in der Welt,und deshalb konnte der alte Bibliothekar von Cluni 4 ) das Gedicht einstbuchenDieselben Occupationes in Versen". Aber trotz aller sachlichenÜbereinstimmungen 6 ) haben wir es doch mit einem ganz anderen Werke zutun. Es läßt sich zwar bei der sprunghaften und episodischen Behandlungdes Stoffes durch Odo nicht leicht mit wenigen Worten der Inhalt der einzelnenBücher angeben, doch soviel läßt sich bestimmen, daß in den zwei erstenBüchern hauptsächlich von der Erschaffung der Engel und der Menschenund von ihrem Fall gehandelt wird; das dritte Buch gibt Darlegungen überden Menschen nach der Vertreibung aus dem Paradiese und über seine

J ) col. 583 A.

2 ) sicut lynces in Boetia cernere inierioraferuntw, was Dicht auf Plinius, Solin undIsidor zurückgeht. Vgl. auch Occup. 3, 325 f.p. 40 ed. Swoboda.

3 ) Auf Bitten des Abtes Balduin hat Odospäter in Rom die Vita Martini im Verein mitdem Mönch Othegarius rezensiert und mit

Glossen versehen, s. fohannis vita Odonis 2,22'(Migne 133,72 f.). Vgl. auch Collat.2,8 col.555 A.

4 ) Delisle, Le cab. des mscr. 2,469 N. 302siipradicte occupationes metrice.

5 ) Sie sind zusammengestellt von A. Swo-boda, Odonis abbatisCluniac. occupatio p. XIIIXV.