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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
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Odo von Cluni. 21

Zeit behalten zu haben, 1 ) denn er brachte dem Kloster hundert Bücher zu.Bald darauf, d. h. am 11. September 910 wurde in der Nähe von Macondie Gründung des Klosters Cluni 2 ) vollzogen, das gleichfalls unter Bernogestellt wurde. Von diesen beiden Stiftungen geht die Reform der Klösteraus, die für die Zukunft so wichtig werden sollte und deren äußerste Kon-sequenzen dereinst das Verhältnis von Staat und Kirche erschüttern sollten.Nachdem Odo durch Bischof Turpio von Limoges zum Priester geweihtworden war, ließ ihn Berno, der seine Würde niederlegte, etwa 924 zumAbt wählen und durch Erzbischof Berengar v. Besancon konsekrieren. Vor-her schrieb Odo als Mönch sein wichtigstes Werk, die Collationes.

Collationes. Bei dem häufigen Verkehr mit dem Bischof Turpio wurdenämlich Odo von diesem mehrfach aufgefordert, ihm zur geistigen Erholungbei den vielen Kriegszügen, an denen er wegen der unsicheren Verhält-nisse im Staate teilnehmen mußte, ein Werk aus den Sentenzen der Väterzusammenzustellen, das für die unruhigen Zeiten passe. Trotz dieses wieder-holten Wunsches zögerte Odo, und erst als ihm Abt Berno ernstlich befahl,an das Werk zu gehen und es nach fünfzehn Tagen dem Turpio persönlichzu überbringen, griff Odo zur Schreibtafel. Zur Disposition und Richtschnurfür den Stoff dienten ihm die Fingerzeige, die ihm der Bischof einst imGespräch gegeben hatte. So verfaßte er eine Schrift über die Stellung desÜbels in der göttlichen Weltordnung und richtete sich in ihr gegen dieBösen, die durch ihre Schlechtigkeit an Macht zunehmen und mit Nicht-achtung des kirchlichen Gesetzes die Schwachen bedrängen, und gegen dieHoffärtigen, die nur zum Scheine Bekenner des Göttlichen sind. Den Titel 3 )des Werkes entnahm er wohl dem gleichnamigen Werke Cassians und denStoff gaben ihm seine früher angefertigten Auszüge der Vätersentenzen.Trotzdem nennt er'seine Quellen in diesem ersten Buche verhältnismäßigselten, und es ist nicht zu verwundern, daß er, der früher Auszüge ausGregors Moralia gemacht, sich besonders auf dessen Schriften stützt. 4 )Aber die von Abt Berno befohlene Überreichung konnte jetzt nicht aus-geführt werden, da der Winter sehr früh und sehr scharf eintrat. Daherfügte Odo ein zweites Buch hinzu, das sich besonders gegen die richtet,die sich durch böses Beispiel anstecken lassen. Er spricht hier zuerst überden schlechten Einfluß des Reichtums und dann über die Fallstricke derSinnlichkeit, wobei er das rühmenswerte Beispiel der Lucretia erwähnt, 5 )und zum Abschrecken zwei Geschichten anführt, der eine sich vor kurzem

') Trotz der Versicherung des BiographenJohannes 1,22 (Migne 133,530) universa . .in sinibus pauperam erogavit, ut pridem desuis fecerat.

2 ) Odo hat vielleicht die Gründungsurkundegeschrieben, s. Sackur, Die Cluniacenser 1,48n. 5 Odo levita ad vicem cancellarü scripsi.Daselbst 1,5062 über die wichtigsten Punkteder cluniacensischen Reform, von denen dieBesitzlosigkeit der Mönche als die bedeutendsteNeuerung erscheint.

3 ) Der alte Katalog von Cluni hat aller-dings an drei Stellen Occupationes, währendandere Kataloge Collationes und Limoges Odo

ad Turpionem haben.

4 ) Auch die Briefe werden angeführt (1,19,Migne 133, 532C). Sonst erscheint nebenden Vätern Bedas Kirchengeschichte (1, 24col. 535 C) und die Hist. tripertita (1, 23 col.535 A); ferner die Vita Gregorii qua Romaniutuntur (1,27 col. 538B) und je einmal Vergil(1,26 col. 537 A) und Isidor (1,33 col. 542 B).

5 ) Nämlich c. 11 col. 557 D. Die Erzählungscheint weder aus Ovid, noch aus Livius,Valerius oder Orosius genommen zu sein (pa-triio suo ac vivo facinus ad hoc patefecit ut stu-pratorem persequerentur). Vgl. Occup. 4,164.