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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
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Einleitung. 15

von der Kirche getragenen Veränderungen im Leben wie die Einrichtungdes Gottesfriedens oder die von Cluni ausgehende Reform verbreiteten sichin verhältnismäßig kurzer Zeit trotz der Verschiedenheit des nationalenLebens auf die weitesten Kreise. Das kam besonders daher, daß der Klerusdes Abendlandes unter annähernd gleichen Bedingungen und Gesetzen lebteund daß das Mönchsleben eine sehr bedeutende Ausbreitung erhalten hatte.Immer noch zog es die Kreise, die der Welt wegen äußerer Dinge ent-sagen oder die sich der Beschäftigung mit den Wissenschaften hingebenwollten, in der alten Weise ins Kloster. Und dieselbe Regel waltete überdem Leben der Mönche, soviel es Niederlassungen des Benediktinerordensgab. Und in jedem Kloster hatte man, wie auch an den Bischofssitzen,sowohl eine Kirchen- wie eine Schulbibliothek, wie auch die einzelnenKirchen meist allerdings kleine Büchervorräte besaßen, die unmittelbarzum Gottesdienst gehörten. Wichtig waren besonders die Dom- und Kloster-bibliotheken, da sie die wirklichen Schätze des Mittelalters an antiker undspäterer Literatur enthalten, während die Schulbibliotheken nur die Samm-lungen darstellen, die für den persönlichen Gebrauch des Lehrers zum Vor-lesen und zum Diktieren entstanden sind. Wenn nun schon aus dem 9. Jahr-hundert eine ganze Menge solcher Dom- und Klosterbibliothekskatalogeerhalten sind, von denen einige geradezu vorbildlich genannt werden können,so hat uns doch auch das 10. und 11. Jahrhundert nicht wenig reichhaltigeVerzeichnisse von Büchern hinterlassen, die heute noch das höchste Inter-esse für sich beanspruchen. Denn jedes dieser Verzeichnisse ist ein StückWissenschaftsgeschichte an sich, da es über die Verbreitung der Literatureinen gewissen Aufschluß gibt, der um so wichtiger wird, wenn sich, wiedas häufig der Fall ist, die verzeichneten Handschriften mit heute noch er-haltenen identifizieren lassen. Zu ihnen gehören aus Deutschland und zwarin seinem großen mittelalterlichen Begriffe in unseren Zeitraum die Kata-loge aus St. Emmeram in Regensburg, aus Egmond, Blaubeuern, Laubach(Lobbes), Lüttich und Toul, aus Frankreich die von Fleury, St. Gildas,Beauvais und Puy, ganz abgesehen von solchen Verzeichnissen, die sichnicht örtlich unterbringen lassen; und Italien nimmt mit den Katalogenvon Bobbio-und Monte Cassino teil. Aber es sind nicht nur Kataloge, durchwelche die Geschichte einzelner Bibliotheken aufgehellt wird, sondern auchBriefe von Gelehrten geben öfters die wertvollsten hierauf bezüglichenAufschlüsse. So ist z. B. das medizinische Werk des Celsus im früherenMittelalter nur aus einer Stelle in einem Briefe Gerberts bekannt und wirddann nur noch im 15. Jahrhundert im Katalog von Monte Cassino erwähnt,was ja durchaus der Seltenheit seiner wirklich alten Handschriften ent-spricht. Oder das älteste datierte Auftauchen von Varro De lingua latinagehört (in einem Oxforder Verzeichnisse) ins Jahr 1443, nirgends wird dasBuch vorher als zu einer Bibliothek gehörig genannt. Oder wir wissenaus dem reichen Katalog von Cluni aus dem 12. Jahrhundert und aus demvon Glastonbury (1247), daß dort je ein Exemplar des Pompeius Festusgelegen hat, was für die Überlieferungsgeschichte des Werkes wichtig genugist, denn auf solche Weise werden die Zwischenstufen der Überlieferungseltener Werke zuweilen blitzartig aufgehellt und Fingerzeige für deren