Druckschrift 
2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

Einleitung. 7

erst in der folgenden Periode ganz zum Austrag kommt und von der aufder ganzen Front siegreichen Kirche gewonnen wird. Daneben hatte sichnoch vor der Mitte des 11. Jahrhunderts in der Kirche selbst ein Zünd-stoff entladen, der zu einem gelehrten Kampfe Veranlassung gab und eineganze Reihe der besten Geister ins Feld rief, nämlich die von der herr-schenden Ansicht abweichende Meinung über das Abendmahl, die, wie esscheint, sogar anfänglich von dem Kardinal Hildebrand geteilt wurde. Mitder alten Ruhe war es nun vorbei, es galt in den Streitigkeiten Partei zunehmen und das aus den Schriften der Väter und ihrer späteren Bearbeitergeholte Rüstzeug mittelst neuer logischer und rhetorischer Kunstgriffe zuAngriffs- und Verteidigungswaffen umzubilden.

Während nun in Frankreich das karolingische Haus elend verkamund die ersten Kapetinger nur durch fortgesetzte Kämpfe mit den großenVasallen zu Macht gelangten, trat das salische Königshaus in Deutschlandein großes Erbe an, das es durch eine nach Osten und nach Süden ge-richtete machtvolle Politik bedeutend zu erweitern bestrebt war. Und dieneue Königsfamilie trachtete doch auch danach sich eine höhere Bildunganzueignen, von der Konrad II. noch nichts besaß, während seine GemahlinGisela sich dafür lebhaft interessierte, wie sie sich Notkers Übersetzungder Psalmen und des Hiob abschreiben ließ. 1 ) Und Heinrich III. erhielt inseiner Jugend eine gelehrte Bildung, die der Oberaufsicht tüchtiger Bischöfeanvertraut wurde; in den freien Künsten erhielt er Unterricht durch einenPavieser Abt Almerich, dem er später aus Dankbarkeit das Kloster Farfaübergab. 2 ) So konnte Heinrich III., nachdem er zum Throne gelangt war,an der Entwicklung der Wissenschaft regen Anteil nehmen, zumal er durchden Kapellan Wipo, einen klugen und unterrichteten Mann, für den könig-lichen Beruf vorgebildet war. Wipo preist im Tetralogus 153163 dieEltern Heinrichs und erwähnt hier besonders, daß Gisela ihren Sohn inden Rechtsbüchern habe lesen lassen, um die verschiedenen Rechtsbestim-mungen kennen zu lernen. 3 ) Da nun die Bildung jener Zeit nur geistlichwar und der König sich für die Regierung daher fast nur der hohen Geist-lichkeit bedienen konnte, so ist es nicht zu verwundern, wenn wir in denAnnalen von Augsburg zu 1041 (MG. SS. 3, 125, 52) lesen, daß durch Hein-richs Bemühungen und stete Sorge sich damals eine große Zahl vonMännern in allen Künsten und Wissenschaften auszeichneten und daß derLerneifer die besten Früchte trug. Auch Widmungen von Schriften er-hielt Heinrich III., wie ihm und der Kaiserin Agnes ein Mönch Arnulf eineVersifikation der im Mittelalter unter Salomos Namen gehenden biblischenBücher dedizierte. 4 ) Und Williram von Ebersberg spricht in der Widmungseines Hohenliedes an Heinrich IV. davon, daß ihn dessen Vater stets unter-

') Nach der Interlinearnote Ekkehards IV.im Sangall. 393 in MG. SS. 2, 58, 11 Kisilaimperatrix operum eins avidissimapsalteriumipsum et lob sibi exemplari sollicite fecit.

2 ) GregoriiCatin. bist. Farf. 5 (MG.SS. 11,559,36 Älmericum litteris optime eruditumet aecclesiasticis doctrinis magniftce imbutum,

studuerat edocere.

3 ) Wiponis Proverbia etc. ed. Pertz p. 14Vs. 161 Haec operam dederat, quod rex inlege studebat; lila sibi libros persuaserat esselegendos; Ut varios ritus diiudicet arte peri-tus. Vgl. hiermit p. 3 Proverbia Vs. 1 ff.

4 ) Vgl. Huemers Ausgabe in Roman.

qui etiam eundem imperatorem liberales apices \ Forschungen 2,216 f. Vs. 112 und 1324-