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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
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ß Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

den Städten und wegen der Ausbreitung des Christentums. Aus diesemGrunde erweiterte sich die geschichtschreibende Tätigkeit, und die Zu-nahme der Mönche begünstigte außerdem die hagiographische Literatursowie die Dichtung und die Musik zum Gebrauche in der Kirche. Wennaber Rom sich selbst nicht unmittelbar an die Spitze des geistigen Lebensstellen konnte, so brachte es das doch bald mittelbar auf einem andernWege ein. Denn das geschah durch die große Reform, die im 10. Jahr-hundert in den Rhonegegenden einsetzte, ursprünglich nur für das Mönchs-leben berechnet war, aber allmählich trotz des Widerstandes der hohen Welt-geistlichkeit doch alle geistlichen Kreise ergriff und sich unter vielfacherBegünstigung durch die weltlichen Gewalten fast über das ganze Abend-land ausdehnte. Die höhere, ernstere Auffassung des geistlichen Lebens,die von Cluni wie von einem Brennpunkte ausstrahlte, hat mittelbar ent-schieden der päpstlichen Macht in die Hände gearbeitet, und wenn auchdie Reform zunächst durchaus nicht etwa den wissenschaftlichen Studienhold war, so regte sie doch nach und nach zu einem stärkeren Einsetzensowohl der geschichtschreibenden wie auch der hagiographischen Tätigkeitan. Aber auch davon abgesehen, jene ernstere Auffassung hat an sich diewissenschaftlichen Studien in den Klöstern gehoben. Besonders wuchs dasInteresse an der Vergangenheit und die neuen Ideen forderten von selbstzu einem Vergleich der Gegenwart mit den früheren Zeiten-und zu derenKritik heraus. Das bezog sich aber nicht nur auf kirchenrechtliche undauf das innere Leben im Kloster bezügliche Dinge, denn auf der Reformbauten sich sehr bald auch politische Fragen auf, die für das Leben derStaaten und auf die Regierung der Fürsten von größtem Einflüsse wurden.Es war in Deutschland nämlich Gewohnheitsrecht geworden, daß der Königbei der Erhebung von Bischöfen ein nicht geringes Geschenk annahm, dazur bischöflichen Stellung stattliche Reichslehen gehörten. Konrad IL hattedas noch ohne weiteres gefordert, aber die Idee war aufgekommen, daßdiese königliche Einnahme unter den Begriff der Simonie falle, und schonHeinrich III. hatte daher darauf verzichtet. Außerdem fand man seit demersten Viertel des 11. Jahrhunderts das eheliche Leben der Priester an-stößig, und in Italien war die Priesterehe zur Gewohnheit geworden. Sodrangen auch in dieser Beziehung die strenger denkenden Kleriker auf dieAbschaffung des Mißbrauchs. Ihre Krönung aber erhielten die Reformideendurch eine Angelegenheit von sehr grundsätzlicher und einschneidender Be-deutung. Bisher war es nämlich üblich gewesen, daß der König die zuBischöfen oder Reichsäbten zu erhebenden Kleriker persönlich investierte,d. h. sie mit den Symbolen ihrer neuen Gewalt begabte, da ihm dies alsdem obersten Lehnsherren zustand. Es kam nun gegen Ende der von unszu behandelnden Periode die Meinung auf, daß diese Laieninvestitur vonder Kirche nicht länger zu dulden sei, und die Kirche erhob fortan denAnspruch, daß sie ihr allein zustehe. Diese drei Forderungen, besondersaber die letzte, waren der Schlußstein für die große Kirchenreform undsie warfen die Brandfackel in das noch in den alten Formen und im altenFrieden lebende Abendland. An ihnen entzündete sich ein Kampf, derschon in vielen Schriften unsres Zeitraums deutlich zu sehen ist, der aber