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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
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Einleitung. 5

italienische Geistlichkeit in seinen Praeloquia.') Hiermit steht in einem ge-wissen Widerspruch, daß Wipo von den vornehmen Leuten in Italien rühmt,daß jeder seinen Sohn zur Schule schicke, während in Deutschland nur diefür das geistliche Amt bestimmten jungen Leute dazu angehalten wurden. 2 )Auf der andern Seite erhält man einen merkwürdigen Gegensatz, wennman die stammelnden rhythmischen Hexameter, die ja besonders inItalien geschrieben wurden, mit den metrisch fast richtig gebauten Ge-dichten in Odenmaßen eines Alphanus von Salerno vergleicht und bedenkt,daß das Kloster Monte Cassino zur Zeit des Abtes Desider Werke vonVarro und Apuleius aufbewahrte und später die Sachsengeschichte Widu-kinds in zwei Exemplaren besaß. Und wenn man die Schrift des PetrusCasinensis De viris illustribus Casinensibus liest, so muß man sagen, daßnur wenig Klöster überhaupt existierten, die eine so große Zahl von Schrift-stellern und Gelehrten aufweisen konnten. Jedenfalls ist hier in Italien dieLaienbildung nie ganz erloschen, wie im Norden, und außerdem mußman einen Unterschied machen zwischen Weltgeistlichkeit und Mönchtum:Während beim weltlichen Klerus Dialektik und Rhetorik im Vordergründestanden und die hierauf aufgebauten Rechtskenntnisse überwogen, sindmanche Klöster, wie Bobbio und Monte Cassino die Hauptpflegestättengeistlicher und profaner Wissenschaften geblieben. Außerdem konnte sichzu Salerno mit arabischer Hilfe ein Mittelpunkt für die medizinischenWissenschaften heranbilden, die hier besonders ihre Befruchtung durchdas Übertragen der griechischen Medizin ins Lateinische erhielten. Da-gegen tritt Rom immer noch weit zurück trotz seiner großen Mittel,hier überwog, wie in früheren Zeiten, die Bildung und Handhabung desRechts, und man möchte sagen, daß sich die Kurie bezüglich der andernWissenschaften wie früher auf die gelehrte Bildung des Klerus in denReichen jenseits der Alpen verließ. So nimmt Italien trotz der Möglich-keit, die wissenschaftlichen Studien aus erster Quelle und nachhaltig zubetreiben, in unserm Zeitraum nur in beschränktem Maße an deren Weiter-entwicklung teil.

Infolge der Entwicklung der fränkischen Teilreiche zu Nationalreichenwar das von Otto I. wieder errichtete Kaisertum nicht mehr so der politischeund geistige Mittelpunkt der abendländischen Welt wie früher, obwohl deralte Vorrang von ihm beansprucht wurde. Dazu kam, daß weder in West-franken die großen Vasallen, noch im deutschen Reiche die herzoglichenGewalten von der Krone beseitigt werden konnten, die Zersplitterung istdadurch gefördert worden. Und da alle Germanenstaaten durch das Lehns-wesen getragen wurden, so entstanden an den Höfen der großen Lehnsträgernicht wenige Kulturzentren, die alle in gewisser Beziehung miteinander undmit den Höfen der Könige in Wettstreit traten. Dazu kam die Errichtungneuer Bistümer und Klöster infolge der Vermehrung der Bevölkerung in

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') Vgl. besonders Kap. 612 bei Migne gundia auf in Teutonica mit in Francia lite-

136, 290C296 B. rarum studiis deditum invenires, so stimmt

2 ) Wenn Landulf in der Hist. Mediol. 2, 35 | das wohl mit der Klerikerbildung, indem die

(MG. SS. 8, 71,2) von Mailänder Klerikern sagt | Schulen jenseits der Alpen größeren Ruf

ut si aliquem chori Ambrosiani totius in Bur- \ hatten.