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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
1191
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Band III. Spez. Theil.

Kasuistik.

1191

Laufende

No.

1

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

245.

J. W., vom Grenadier - RegimentKronprinz (1. Ostpreussisches) No. 1,verwundet am 1. September 1870bei Sedan: Bruch des rechten Schien-und Wadenbeins im mittlerenDrittel durch Gewehrschuss. Ein-gangsöffnung vorn innen, Ausgangs-öffnung aussen.

W. kam in der 8. Woche in Berlin an; das Bein war stark ge-schwollen, der Unterschenkel um 5 cm verkürzt; der Bruch nichtverwachsen. Dauerstreckung des Beins; Drainage der Wunden,Karbolverband. Von der 12. bis 16. Woche werden wiederholtEiterherde gespalten und mehrere Splitter entfernt; mit Ausnahmeeiner Wundrose leidlich guter Verlauf. In der 19. Woche Ein-schnitt wegen eitriger Kniegelenksentzündung. Ausgangsöffnungist vernarbt, Eingangsöffnung dagegen jaucht. Das Allgemein-befinden wird bis zur 22. Woche stetig schlechter, und nach weiteren3 Wochen erfolgt unter septischen Erscheinungen der Tod.

Sektion: Bruch der beiden Unterschenkelknochen verwachsen;Kallusmassen verbinden sowohl beide Knochen miteinander alsauch die oberen und unteren Bruchstücke brückenartig aussenund innen. Eitrige Knochenhautentzündung am Schaft des Ober-schenkelknochens ; hier theils oberflächliche Nekrotisirung, theilsOsteophytenauflagerungen. Im Kniegelenk schmieriger, röthlicherEiter; Gelenkknorpel in grosser Ausdehnung zerstört; missfarbeneGranulationen. Ausgedehnte Verjauchung der Weichtheile — abernicht zusammenhängend mit dem Gelenk — in der Kniekehleund am Unterschenkel. Grosse Eiterherde am Oberschenkel, Hüft-gelenk frei; auf dem Knorpel des Fussgelenks zarter fibrinöserBelag; Venen, Leber, Lungen, Darm frei; Milz massig ver-grössert. Von der Bruchstelle aus Sprung bis zum Kniegelenk.(Vergl. IV. Band dieses Berichtes, S. 131, XII., A. 42.)

5 5 /6 Monate.

246.

G. Z., vom Sächsischen 3. Infan-terie-Regiment (Kronprinz) No. 102,verwundet am 1. September 1870bei Sedan: Bruch des linken Schien-und Wadenbeins im unteren Dritteldurch Gewehrschuss. Eingangs-öffnung vorn innen, Ausgangsöffnungaussen hinten.

Am 5. Tage ist der Unterschenkel abgeschwollen, ein Gyps-verband wird angelegt und gut vertragen. Befriedigender Zustand,bis am 25. Tage unter hohem Fieber die hintere Wunde sich miteinem festen gelben Belag bedeckt und auch die Eingangsöffnungein schlechtes Aussehen annimmt. Zwei Tage später macht Gelb-färbung auf starke Vergrösserung der Leber aufmerksam; ersterenimmt an Stärke bis zum 35. Tage bedeutend zu, während dieLeberdämpfung rasch und erheblich sich vermindert. Am 35. Tageerfolgt der Tod in Folge von Pyämie.

35 Tage.

247.

A. B., vom Kaiser Franz Garde-Grenadier - Regiment No. 2, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Bruch des linken Schien-beins durch Gewehrschuss.

b. Schienbein.

Am 10. Tage kommt B. in Berlin an, wo in den ersten 4 darauffolgenden Tagen Knochensplitter und Kugelstücke entfernt werden.Bei Beginn des 3. Monats ist der Bruch verwachsen, die Wundenaber sind noch nicht vernarbt. Am 92. Tage werden die Fistel-öffnungen erweitert und einige Splitter entfernt, worauf lebhafterSchmerz in der Wunde sich einstellt und Morphiumeinspritzungennothwendig macht. Am 95. Tage fühlt B. sich ganz wohl undunterhält sich mit seiner Umgebung, als er plötzlich zurücksinkt,zu röcheln beginnt und stirbt; nach 2 Minuten sind die Herztönenicht mehr zu hören, während das Athmen durch Schlagen auf dieBrust noch kurze Zeit unterhalten wird. Der unterbrocheneStrom blieb bei weiteren Belebungsversuchen ohne Erfolg. Todin Folge von Embolie.

37« Monate.