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XL Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Fusses.
Band III. Spez. Theil.
II. Arten der Verletzung. — Verlauf und Ausgang.
Die Angaben über Ein- und Ausschussöffnungenbei den an Unterschenkel und Fuss Verwundeten lassennichts von den Erscheinungen an anderen KörpertheilenAbweichendes erkennen. Bei G. (No. 111) wurden durchhochgradige hydraulische Pressung Splitter des Schienbeinsdurch die Haut getrieben, so dass neben der Austritts-öffnung des Geschosses noch eine zweite Durchlöcherungder Haut entstand.
Die Kugeln erlitten durch die scharfen und wider-standsfähigen Kanten des Schienbeins mannigfache Form-veränderungen und wurden wiederholt — auch abgesehenvon Spritzlingen — in mehrere Stücke getheilt vorgefunden.(Siehe z. B. No. 114 und 197.)
Der Verlauf war — wie schon die Sterblichkeits-verhältnisse und die in den Tabellen II und IV auf Seite 1120und 1121 aufgeführten Komplikationen erkennen lassen —bei den Fusswunden ein sehr viel ungestörterer als bei denUnterschenkelwunden. Bei letzteren waren die in den vor-angegangenen Kapiteln dieses Bandes genugsam geschil-derten Vorgänge — reichliche Eiterung, Bildung vonAbszessen mit oder ohne Ausstossung oder künstliche Ent-fernung von Geschossen, Fetzen der Bekleidung und Aus-rüstung, Knochenstücken, Sequestern u. s. w. — ebenfallsausgiebig vertreten und oft Ursache langer Verzögerungder Heilung. So erfolgte z. B. die Ausstossung bezw. Heraus-nahme von Fremdkörpern bei S. (No. 225) am 10., beiM. (No. 215) am 17. und 18. Tage; bei Anderen (No. 177,181,228) in der 4., bei K. (No. 120) in der 7., bei N. (No. 131)in der 5. und 13. Woche; bei B. (No. 5) im 10. Monat; beiv. K. (No. 64) erst nach 11 Jahren. Weiteres hierüber undüber anderweitige Störungen des Wundverlaufes siehe unter„Komplikationen" (Seite 1126).
Für die verschiedenen Arten von Weichtheil-verletzungen — einfache Schussstreifungen der Haut,Haarseilschüsse, Verletzungen der Faszien u. s. w. bis zu aus-gedehnten Muskelzerreissungen (No. 4 und 33) — liefern dienachstehend aufgenommenen Krankengeschichten deutlicheBeispiele. Das immerhin seltene Vorkommen von Schuss-durchbohrung einer starken Sehne zeigt die Kranken-geschichte des B. (No. 30), bei welchem die Achillessehnevon hinten her mit Auseinanderdrängung ihrer Fasern durch-löchert wurde. Schussdurchbohrungen des Zwischen-knochenbandes ohne Verletzung des Schien- oder Waden-beins werden angeführt und durch den raschen, günstigenVerlauf wahrscheinlich gemacht (No. 9, 13, 88), ebensoein Durchschlüpfen der Kugel zwischen den Knochen undder Achillessehne (No.14). Unter den Weichtheilverletzungenam Fuss sind die längeren queren Schusskanäle (No. 265,266) und eine senkrechte Durchbohrung der Weichtheilezwischen zwei Mittelfussknochen, anscheinend ohne jedeBeschädigung der letzteren (No. 272) bemerkenswert!!.
Ein äusserst rasch verlaufener Fall von akut puru-lentem Oedem (No. 31) gehört den Weichtheilverletzungenan. Bei E. (No. 8) wurde durch eine in der Schenkel-beuge entstandene (wohl die Lymphdrüsen betreffende?)Eiterung eine Verstopfung der grossen Schenkelveneverursacht.
Beispiele für Weichtheilverletzungen durch Hieb undStich finden sich in den Krankengeschichten No. 10und 15.
Bei den Knochenverletzungen ohne Aufhebungdes Zusammenhanges fand man die Kugel mehrmalszwischen Schien- und Wadenbein eingekeilt. (Siehe z. B.No. 39.) Am häufigsten bestand die Knochenverletzung inQuetschung mit oder ohne ausgedehntere Ablösung derBeinhaut (No. 90), demnächst in Absplitterung oderAbsprengung, besonders der scharfen Schienbeinkanten, theilsmit, theils ohne Spaltenbildung (No. 93). Rinnen-schüsse wurden an der Innenseite des Schienbeins mehr-fach beobachtet (No. 53, 67), dagegen liegt keine Nachrichtüber einen reinen Lochschuss durch einen Unter-schenkelknochen vor, wenn man nicht eine lochförmigeDurchbohrung der vorderen Schienbeinkante (No. 98)sowie den im IV. Bande dieses Berichtes unter XII.A. 11 (S. 127 und Tafel XL1X, Fig. 2 und 2 a) mit-getheilten Fall (Lochschuss durch das obere Drittel desSchienbeins mit Splitterung und Splitterbruch am., oberenEnde des Wadenbeins) dahin rechnen will. Vielleicht könnte^auch die Krankengeschichte No. 55 hier in Betracht kommen.Ueber Lochschüsse durch das Fersenbein wird unterNo. 285 und (anscheinend) 281 berichtet. Bei B. (No. 47)wurde aus einem blinden Schusskanal die fest in denKnochen eingekeilte, durch die Liebreich'sche Sonde nach-gewiesene Kugel in der 23. Woche mit Hilfe von Hammerund Meissel entfernt.
Wenngleich die Sterblichkeit nach Knochenverletzulohne Bruch erheblich hinter derjenigen nach SchussbrüCTJzurückblieb (vergl. S. 1118), so beweisentödtlich verlaufenen Fälle von Knochenmaj(Tabelle II auf S. 1120), die häufigen Eiterherde unter derBeinhaut, die späten Splitterabstossungen, die theilweisenNekrosen, der oft sehr langwierige Verlauf, die zurück-gebliebenen Fisteln, die mitgetheilten Sektionsbefunde(No. 51, 57, 61, 64, 66, 75, 91) zur Genüge, dass auclTdrein Rede stehenden Verwundungen nicht selten sehr schwereVerletzungen darstellten.
Die verhältnissmässig höchste Sterbeziffer (10.i $) zeigendie Verletzungen beider Knochen des Unterschenkels, danndiejenigen des Schienbeins (7.7 $), die niedrigste (5.2$)diejenigen des Wadenbeins. Hinsichtlich der Häufigkeit derVerwundungen behaupten diejenigen des Schienbeins (476)