Band III. Spez. Theil.
Kasuistik.
855
LaufendeNo.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
61.
K. G., Assistenzarzt, verwundetam 14. August 1870 bei Colombey-Nouilly: Gewehrschussbruch desrechten Oberarms ohne bedeutendeSplitterung. Keine Ausgangsöffnuug.
Gefensterter Gypsverband. Bald reichliche Eiterung bei gutemAllgemeinbefinden. Verband muss wegen Durchtränkung häufigerneuert werden. Am 3. September 1870 wird die Kugel aus-geschnitten. G. wird am 12. September mit beginnender Kallus-bildung heimwärts befördert.
1 Monat.
62.
H., Zahlmeister, verwundet am13. November 1870 durch Frank-tireurs : Gewehrschussbruch desrechten Oberarms. Einschuss hinten2V2cm unterhalb der Achsel. Kugelund Knochensplitter aus der rech-ten Unterschlüsselbeingrube aus-geschnitten.
Februar 1871 Eitersenkung an der Vorderfläche des Oberarms;nach einem Einschnitt entleert sich Eiter und ein Knochenstück.Im Oktober hat sich dieser Einschnitt zu einer Fistel umgewandelt,welche auf rauhen Knochen führt und ziemlich stark eitert. Ein-schussöffnung sowie der Einschnitt unterhalb des Schlüsselbeinssind vernarbt. Verkürzung vorhanden, Vereinigung der Brnchendeudurch starke Kallusmassen in einem nach aussen offenen Winkel.Schultergelenk sehr wenig beweglich. Muskulatur erheblich ge-schwunden, Unterschied gegen links 6 cm. Schwere Störung derGebrauchsfähigkeit, so dass der Zustand dem Verluste des Gliedesgleich zu achten.
63.
F. IL, vom 5. BrandenburgischenInfanterie - Regiment No. 48, ver-wundet am 10. Januar 1871 vorLe Mans: Gewehrschussbruch desrechten Oberarms. Einschuss 1 /s cmunter dem hinteren Rande derAchselhöhle, Aussehuss dicht unterdem Ansätze des grösseren Brust-muskels.
Wiederholt Entfernung von Knochensplittern verschiedener Grösse.Zuerst Pappschienen, später gefensterter Gypsverband. Ausspülungmit Chlorwasser und Karbollösung. April 1871 ist die Einschuss-öffnung völlig vernarbt, aus der Ausschussöffhung entleert sich übel-riechender Eiter, die feste Vereinigung ist nahezu vollendet. Am6. September wird ein 4 cm langer Sequester durch Aufmeisseinentfernt, darauf langsame, durch Abstossung zahlreicher kleinerKnochenstücke verzögerte Heilung. Am 17. August 1872 als ganz-invalide entlassen. Starke, nach aussen konvexe Krümmung des er-heblich verdickten Oberarmschaftes. Gebrauchsfähigkeit beschränkt,doch können leichtere Verrichtungen mit der Hand ausgeführt werden.
1 Jahr7 Monate.
64.
F. H., vom 5. BrandenburgischenInfanterie - Regiment No. 48, ver-wundet am 16. August 1870 beiMars la Tour: Gewehrschusssplitter-bruch des linken Oberarms.
Schwellung unbedeutend, nach Entfernung einiger loser Knochen-stückchen gefensterter Gypsverband, welcher am 5. Oktober 1870durch einen Kleisterverband ersetzt wird. Am 20. November Bruchfest verheilt, Schussöffnungen noch offen, massig eiternd. Im März1871 Entfernung mehrerer Sequester, von denen der grösste 5 cmlang. Am 24. März nach Deutschland übergeführt; beide Schuss-öffnungen noch offen, führen auf rauhen Knochen.
7 Monate.
65.
E. H., vom Sächsischen Schützeu-(Füsilier-) Regiment No. 108, ver-wundet am 2. Dezember 1870 beiVilliers: Gewehrschusssplitterbruchdes rechten Oberarms. Eingang ander Innenseite dicht unterhalb desanatomischen Halses, Ausgang hin-ten etwas tiefer.
Pappschienenverband. Vom 6. Dezember 1870 ab bedeutendeEiterung bei massiger Schwellung. Am 16. und 21. Dezember Ent-fernung mehrerer 2'/s cm grosser und vieler kleinerer Knochensplitter,Ende Dezember sind Eiterung und Schwellung nahezu verschwunden.Am 26. Dezember gefensterter Gypsverband, Ausspülen mit Karbol-lösung. Nach einigen Tagen erneute Schwellung, anhaltendes Fieber.Am 3. Januar 1871 Pappschienenverband, 7. Januar fieberfrei. Voll-kommen feste grosse Kallusmassen, geringe Eiterung, rauher Knochennicht zu fühlen. Mit Tragetuch nach Deutschland übergeführt undam 28. Februar von Dresden aus geheilt entlassen. Arm aktiv gänz-lich unbeweglich.
3 Monate.