Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
847
Einzelbild herunterladen
 

Band III. Spez. Theil.

Kasuistik.

847

LaufendeNo.

*

1

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u.s. w.

•

3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

23.

R. v. B., vom 6. OstpreussischenInfanterie-RegimentNo.43: Gewehr-schuss in den linken Oberarm. Ein-gang an der Innenseite, Ausgangfehlt.

Schusskanal verläuft nach oben, am Ende desselben ist dieKugel zu fühlen. Massige Schwellung und Eiterung. Am drittenTage Wundrose über Ober- und Vorderarm. In dem betreffendenLazareth ist Wundrose sonst nicht vorgekommen. In der Chloro-formnarkose Einschnitt bis auf den Knochen, Herausnahme der da-durch blossgelegten plattgedrückten Kugel und eines Tuchstückchens.Die Knochenhaut an dieser Stelle abgelöst, der Knochen sonst un-verletzt. Weiterer Verlauf günstig. Mit erhaltener Gebrauchsfähig-keit entlassen.

24.

B., vom 1. Westfälischen Infan-terie-Regiment No. 13, verwundetam 18. August 1870 bei Gravelotte:Gewehrschuss in den rechten Ober-arm. Eingang 2 cm unter demAnsätze des Deltamuskels. KeinAusgang.

Sonde dringt in wagerechter Richtung 8 cm tief ein, ohneauf die Kugel zu stossen. Am 29. September 1870 fühlte manim Lazareth zu Quedlinburg ungefähr 5 cm unterhalb der Schuss-öffnung einen harten Gegenstand. Einschnitt, Entfernung der ganzplattgeschlagenen Kugel. Im Oktober 1870: Eröffnung einer Eiter-senkung, von da an ungestörte Heilung. Mitte November 1870entlassen. Gebrauchsfähigkeit erhalten.

3 Monate.

25.

H. K., vom 3. Garde-Regiment zuFuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Gewehrschussin den linken Oberarm. Eingangam äusseren Rande des zweiköpfigenMuskels, Ausgang hinten etwas tiefer.

Streifung des Knochens. Massige Schwellung und Eiterung,Entfernung mehrerer Sequester. Anfang 1871: Heilung mit Erhal-tung der Gebrauchsfähigkeit.

5 Monate.

1 26.

F. S., vom 3. Westfälischen Infan-terie-Regiment No. 16, verwundetam 16. August 18 70 bei Mars la Tour:Gewehrschuss in den linken Ober-arm. Eingang vorn au^dem Bauchedes zweiköpfigen Muskels, Ausgangan der Innenseite etwas höher.

Die Kugel streifte den Knochen sowie die Armschlagader und ver-letzte den Ellenbogennerv. Blutung durch Einstopfen von Charpie-bäuschen, die mit Eisenchlorid getränkt waren, gestillt; Lagerungauf Kissen. Eiterung massig, Abstossung kleiner Knochensplitter.Am 24. November 1870: Wunden nahezu verheilt, Ueberführung nachHannover. Anfang 1871 entlassen. Wunden geschlossen. Schwundder Zwischenknochenmuskel an der Hand. Beugestellung des viertenund fünften Fingers mit Lähmung des Hautgefühls am fünftenFinger. Bäder und Elektrizität ohne Erfolg angewendet. (Vergl.Militärärztliche Zeitschrift 1872, S. 508.)

5 Monate

27.

St., vom Sächsischen Feld - Ar-tillerie-Regiment No. 12, verwundetam 30. November 1870 beiVilliers:Gewehrschuss in die Mitte deslinken Oberarms, vorn auf demBauche des zweiköpfigen Muskels.Kein Ausgang.

Die Kugel ward auf der Hinterseite unter der Haut gefühlt undauf dem Verbandplatze ausgeschnitten. Der Schaft erwies sich vonKnochenhaut entblösst. Reichliche Eiterung, von Anfang an warendem Eiter kleine Knochenstückchen beigemischt. Nach 10 TagenAbnahme der Eiterung, hintere Wunde bald verheilt. Im Januarund Februar 1871 entleeren sich aus der vorderen Wunde wieder-holt bald kleine Knochenstückchen, bald Tuchfetzen. Ende März1871: Heilung beendet; Gebrauchsfähigkeit erhalten.

4 Monate.

28.

J. A., vom BrandenburgischenHusaren-Regiment (Zietensche Hus.)No. 3, verwundet am 16. August1870 bei Mars la Tour: Gewehr-schuss am linken Oberarm vornaussen, Schusskanal nach hinten undinnen; Splitterung.

Der Knochen war nicht in seiner ganzen Dicke gebrochen, dochbestand an der Aussen- und Hinterseite ein bedeutender Substanz-verlust. Entfernung von Splittern, starke Schwellung, reichlicheEiterung. Wiederholte Transporte ohne Schaden vorgenommen.Im Oktober: Heilung. Beträchtliche Auftreibung durch Kallusmassen.Wunden geschlossen, erhebliehe Abmagerung. Aktive und passiveBeugung und Streckung im Ellenbogengelenk beschränkt.

2 Monate.