VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil.
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Scheibe; Kugel liegt in der Kniekehle. Kam am 10. Augustins Keservelazareth Schwetzingen: starke Anschwellung, Lagerungin einer Drahtrinne, Phs. 17. August: Oeffnung eines Eiterherdesin der Kniekehle; allmälige krampfhafte Spannung der Beuge-muskeln des Unterschenkels; grosse Aufregung; starke Ab-magerung. Ende September wurde die Kugel aus einem Eiter-herde an der Wade entfernt. 25. Oktober: In Chloroform-betäubung gewaltsame Streckung des rechtwinklig gebeugtenGelenks. Ende November: Wunden geschlossen; geringe Beugungdes Knies. (Vergl. Schinzinger, S. 77.)
66. A. H., Unteroffizier vom Grenadier-Regiment PrinzCarl von Preussen (2. Brandenburgisches) No. 12, verwundetam 16. August 1870 bei Mars la Tour: Gewehrschuss. Eintrittder Kugel am linken Kniegelenk vornüber der Kniescheibe,Austritt hinten in der Kniekehle, Knochenverletzung nichtnachweisbar. Ende Mai 1871: Wunden geheilt, Gelenk nochstark geschwollen und empfindlich. (Vergl.H. Fischer, S. 208,No. 348.)
67. C. St., Grenadier vom 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment No. 109: Gewehrschuss durch das linke Kniegelenk.Die Kugel trat über der Kniescheibe ein, hinten amUnterschenkel wieder aus, durchsetzte also das Gelenk durchdie Grube zwischen den Knorren, ohne den Knochen zu ver-letzen. Gypsverband; Entzündung des linken Fussgelenks.Heilte mit Steifheit des Knie- und Fussgelenks; Fuss in Klump-iüssstellung. (Vergl. v. Beck, S. 610, No. 10.)
68. M. R., Soldat vom Bayerischen 14. Infanterie-Regiment(Hartmann), verwundet am 4. August 1870: Gewehrschuss indas Knie, an der Spitze der Kniescheibe eingedrungen.Kugel steckt und wird im Vereinslazareth Weissenburg am4. August Abends in der Kniekehle ausgeschnitten. Todam 28. September an Pyämie. (Vergl. Billroth, Briefe, S. 232,No. 39.)
69. J. M., Grenadier vom 2. Schlesischen Grenadier-Regi-ment No. 11, verwundet am 16. August 1870: Gewehrschuss-kanal vom Innenrande der Kniescheibe zur Kniekehle.Im Kriegslazareth Pont ä Mousson am 15. September starkeEiterung, Druckbrand; Lagerung in Drahtkorb. 6. Oktober:Durchfall, übelriechende Eiterung. 18. Oktober: Tod an Pyämie.
Sektion: Frische Einschwemmungen in den Lungen, Ver-jauchung des Kniegelenks.
70. M., Musketier vom Hannoverschen Füsilier-RegimentNo. 73, verwundet am 14. August 1870 vor Metz: Gewehrschussdurch das linke Kniegelenk. Das Geschoss ist am innerenRande der Kniescheibe ein- und in der Kniekehle aus-getreten. Das Knie wurde meist gebeugt gehalten; bei hohemFieber bildeten sich Eitersenkungen am Oberschenkel. 17. Sep-tember: Brand der Zehen; plötzlich eintretende Störung desGehörs und vorübergehende Geistesstörung, die am nächstenTage verschwunden war; sehr starke Eiterung. 26. September:Erscheinungen von Pyämie. 28. September: Tod an Pyämie.
71. H. H., Musketier vom 6. Thüringischen Infanterie-Regiment No. 95, verwundet am 6. August 1870: Gewehrschussins rechte Kniegelenk. Eintrittsöffnung am oberen äusserenRande der Kniescheibe, Austrittsöffnung im oberen Drittelder Wade. Wegen starker Eiterung und erheblicher Schwellungdes ganzen Oberschenkels dauerndes Wasserbad. Am 29. August:Tod an Pyämie.
72. F. L., Sergeant vom Mecklenburgischen Füsilier-Regiment No. 90, verwundet am 8. Dezember 1870: Gewehr-schuss durch das rechte Kniegelenk. Eingangsöffnung amäusseren Rande der Kniescheibe, Ausgang hinten unten.
Am 22. Dezember im Feldlazareth Ablon: Kräfteverfall, Gelb-sucht, sehr hohes Fieber, reichliche Jauchung; zur Amputationist es zu spät; wegen starker Schwellung werden grosse Ein-schnitte gemacht. Am 30. Dezember: Tod an Pyämie.Sektion: Metastatische Herde in den Lungen.
<"3. F. D., Füsilier vom 5. Brandenburgischen Infanterie-Regiment No. 48, verwundet am 18. August 1870: Gewehr-schuss. Eingang am linken Kniegelenk aussen neben derScheibe, Ausgang ziemlich genau mitten in der Kniekehle.Gestorben am 24. Oktober.
Sektion: Beide Schussöffnungen sind geheilt, der Schenkel-knochen wird von einem Eiterherd umgeben, welcher mit derGelenkhöhle in keiner Verbindung steht, der Knochen selbst istvöllig unversehrt. Die Kapsel ist völlig geschlossen, beiEröffnung derselben entleert sie keine Spur Eiter,nur ein wenig klare, fadenziehende Flüssigkeit. DieBeweglichkeit ist kaum nennenswerth, und es stellt sich heraus,dass der innere Schenkelknorren durch lockere, stark geröthetebindegewebige Züge mit der Fläche des Schienbeinkopfes ver-wachsen ist. Der Knorpel ist zum grössten Theil verschwunden,der Knochen mit Granulationen bedeckt. Noch in der Höhledes Gelenks befindet sich nahe der Aussehussöffnung in derKapsel ein kleines Bleistückchen eingeheilt, ebenso ein-zelne kleinere Knorpelstückchen. Durch die Kugel scheintder äusserste Theil des Schienbeins, sowie die untere Flächedes äusseren Knorren des Oberschenkels gestreift zu sein. DerTod war durch Komplikationen eingetreten: in den Lungenfanden sich bronchopneumonische Herde und eine grössereHöhle. (Vergl. Bock, Deutsche militärärztliche Zeitschrift.1872, S. 265.)
74. W. B., Musketier vom 7. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 56, verwundet am 16. August 1870 vor Metz:Gewehrschuss durch das linke Kniegelenk. Das Geschoss tratoberhalb der Kniescheibe ein und im inneren Theilder Kniekehle aus; starke Anschwellung des Gelenks. 3. Sep-tember: Die Eiterung ist reichlich, üruckbrand am Rücken,Benommenheit. Am 8. September trat nach sehr starker Jauchungder Tod ein.
1). Von einer Seite zur anderen.
75. A. G., Vizefeldwebel vom 2. Rheinischen Infanterie-Regiment No. 28, verwundet am 23. Dezember 1870: Gewehr-schuss durch das linke Knie, von aussen nach innen unter-halb der Kniescheibe hindurchgehend. Im FeldlazarethVerletzung des Knochens nicht zu finden; Eis- und Gypsverband.Das Allgemeinbefinden war stets gut, es bestand kein Fieberund nur geringe Eiterung. Heilung war in wenigen Wochenbeendet.
76. C. E., vom 2. Garde-Regiment zu Fuss, verwum.jt «Bfi18. August 1870: Gewehrschuss durch das recht? Kniegelenkvon innen zur äusseren Seite des Scheibenbandes. Am24. August im Reservelazareth Mannheim: Geringer Erguss insKnie, Schmerzen bei Bewegung, kein Fieber; Lagerung inBonnet'scher Drahthose, später Pappverband. Am 18. Oktober:Knie schmerzfrei ohne Schwellung, Bewegung noch etwas ge-hindert.
1872 konnte E. ziemlich gut mit Hilfe eines Stockes gehenund das Knie bis zum Winkel von 120 ° beugen. Bei An-strengung traten Schmerzen auf. (Vergl. Lossen, S. 134, No. 7.)
77. E. W., Musketier vom 6. Ostpreussischen Infanterie-Regiment No. 43: Gewehrschuss durch das rechte Knie unterdem Scheibenbande durchsehend. Im Feldlazareth: Eis.