Unterrichtsgesetz scheitert. Stärkung der Ultramontanen. 54 3
Schon im April 1848 hatte ihm Haase aus Breslau ge-schrieben, dass die klerikal-hierarchische Partei sich bemühe„die Freiheit zu ihrem Vortheil zu exploitiren"; Briefe vonihm aus den folgenden Jahren berichteten weiter über ihre„grossen und erfolgreichen Anstrengungen", und beklagten,dass sie durch die „Fachbornirtheit der Naturforscher" unter-stützt würden, welche die Forderungen allgemeiner Bildungabschwächten. Anschaulich schilderte Löbell in einem Brief,den er im Sommer 1849 an Schulze richtete, wie in derRheinprovinz der Boden durch die ultramontane Partei unter-wühlt und durch sie auch den evangelischen Professoren inBonn ihre Stellung erschwert werde. Sie erlaubt sich zwarselbst, schrieb er, „stete Angriffe auf den Protestantismus,dass aber der evangelische Lehrer nicht bloss unparteiischsei, sondern fast apologetisch für den Katholicismus auftrete,das verlangt sie, wenn sie den Ihrigen (und sie hat Macht)nicht den Besuch seines Hörsaals verbieten soll. Dies ver-bindet sich jetzt in schlimmer Weise mit der politischenAufgeregtheit, und wenn auch wohl nur wenige Genossendieser Partei so weit gehen wie in Coblenz einige Leute,welche sonst voll vom Stabilitätsprincip im Sinn der Jesuiten,sich jetzt nicht entblöden in giftigen Artikeln der Rhein-und Mosel-Zeitung sogar mit der rothen Republik zu lieb-äugeln, um nur dem Protestantismus und Preussen Streichezu versetzen, so fördern und erhalten sie doch Misstrauengegen ein protestantisches Reichsoberhaupt und stellen einwo nicht materielles doch geistiges Anschliessen an Oester-reich als ein grosses Heil hin".
Erfahrungen dieser Art aber hinderten den preussischenKönig nicht an weiterem Entgegenkommen gegen die Ultra-montanen, die er als Bundesgenossen gegen die Revolutionbetrachtete; hatten sie mit Freuden die Niederlage der Be-strebungen für Deutschlands Einheit unter Preussens Führungbegrüsst, so sahen sie sich weiter durch die innere Politikder preussischen Regierung gefördert. Vergebens wies 1852der preussische Gesandte am Bundestag darauf hin, dass mitder ultramontanen Partei kein sicherer Bund zu flechten sei,da sie jede Concession nur als eine aufmunternde Abschlags-