Seine Theilnahme an wissenschaftlicher Thätigkeit. 491
als seine „Virtuosität" bezeichnet, „an seiner Stelle mehr ge-leistet als vorherrschende Productivität geleistet haben möchte",üass er und sein Minister so warme und verständnissvolleLiebe für wissenschaftliche Arbeit besassen und bewiesen,brachte, wie Graffunder hervorhebt, „unberechenbaren Gewinn:daher das weitverbreitete Gefühl des Vertrauens der Meisterund Jünger der Wissenschaft zu dieser Administration, vonwelcher sie sich geachtet, ja verehrt und geliebt wussteu; daherdas fruchtbare Bewusstsein der Freiheit der Forschung, dessicheren Schutzes aller lauteren Bestrebungen, auch derschüchternsten Versuche im Dienste der Wahrheit; daherdie Freudigkeit der hochgehaltenen Mühe der Fortpflanzungdes geistigen Lebens in der Unterweisung der Jugend".
Einen in dem Vorstehenden angedeuteten für Schulzeund seine Wirksamkeit besonders bedeutenden Punkt hat klarund bestimmt namentlich der akademische Prediger an seinemSarge, hat Steinmeyer betont, indem er unter den ihn auszeich-nenden Eigenschaften nachdrücklich „die Liebe zu der Sache,aber auch zu den Personen, zu den Personen, aber auch zuder Sache" pries. Sein Beruf stärkte in dem Schüler Schleier-machers die Neigung und Fähigkeit, die Bücher, die er las,als Zeugnisse der Individualität ihrer Verfasser zu betrachten;ihm war es inneres Bedürfniss, von dieser ein möglichst klaresBild zu gewinnen und ihre Entwicklung nach Kräftenzu fördern. Mit „tiefernster Gewissenhaftigkeit" bemühte ersich, seine sachlichen Erwägungen von dem Einfluss allerpersönlichen Rücksichten und Gefühle frei zu halten; er wardavon überzeugt, wie er in einem vertraulichen Briefe*) aus-sprach, dass „man gerade in Universitäts-Angelegenheitennicht selten in den Fall kommt, das Gefühl des Mitleidszurückdrängen, ja unterdrücken zu müssen, damit das Mittel-massige nicht Platz gewinne, wo einzig und allein von demanerkannt Tüchtigsten ein erfolgreiches Wirken zum Frommenund zur Ehre der Wissenschaft zu erwarten ist". Aber wo
dieser nach Schulzes Tod eine Gedächtnissrede auf ihn hielt, die inder Sammlung seiner Schulreden durch Bamberg erwähnt, aber nichtabgedruckt ist.
*) An Eitschl am 3. Februar 1860.