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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
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488
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488 Zweites Buch. Drittes Capitel.

Manchem Leser dürfteil diese Sätze nicht unbedenklicherscheinen; aber kaum wird nach den angeführten That-sachen zu leugnen sein, dass Schulze treu den hier ver-tretenen Anschauungen auch in der Praxis sich bemüht hat,„den höchsten wissenschaftlichen Gesichtspunkt zur Geltungzu bringen". Es hing damit zusammen, dass und wie erbesondere Rücksicht auf die literarischen Arbeiten der zuberufenden oder zu befördernden Docenten nahm; oft hat erdie Regel eingeschärft, Niemand zum Professor zu machen,„bis er ein tüchtiges Buch geschrieben, ein Werk, welchesman vorlegen, womit man Ehre einlegen, worauf mau fussenkann"*). Mit unermüdlichem Eifer suchte- er über die wis-senschaftliche Literatur sich zu unterrichten; was er vonseinem Minister sagt, dass er mit lebendiger Theilnahme dieneuen Erscheinungen in den verschiedensten Gebieten ver-folgte, von den an ihn eingesandten Werken selbst Kenntnisszu nehmen für eine Pflicht seines schwierigen Berufes er-achtete, und wenn ihm im steten Geschäftsdrang am Tagekeine Müsse zu ihrer Erfüllung blieb, er sie noch in derNacht zu finden wusste, das gilt in noch grösserem Umfangvon ihm selbst. Zahlreiche Dankschreiben von ihm an Schrift-steller, die ihm oder seinem Chef ihre Arbeiten überschickthatten, bezeugen, dass er sich nicht damit begnügte, sieflüchtig anzusehen, sondern theils selbst sie genauer studirte,theils von Sachverständigen ein Urtheil über sie einzog. ImMinisterium wurden begreifliche Zweifel laut, ob es zweck-mässig sei, dass für die eingesandten Schriften in der Regelmit Eingehen auf ihren Inhalt gedankt würde, und auchSchulze verschwieg nicht die dagegen sprechenden Bedenken.Namentlich betonte er, wie viel Zeit und Arbeit diese Sittedem Referenten koste; aber er hob zugleich ihre Vorzügehervor: habe sie doch „nicht wenig dazu beigetragen, ein dieSache selbst förderndes Verhältniss zwischen dem Minister

*) In diesen Worten gab er der oft von ihm verkündeten Anschau-ung Holtei gegenüber Ausdruck, der in seinen Vermischten AufsätzenII (1866), 93 ff. ausführlich mit seiner behaglichen Laune die für Schulzeund auch für Alexander von Humboldt charakteristischen Vorgängevor der Ernennung Kahlerts zum Professor erzählt hat.