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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
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482
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482 Zweites Buch. Drittes Capitel.

Und trat so bei diesem Hallischen Streit eine nicht unbe-denkliche Verschiedenheit zwischen dem Minister und demKönig hervor, so bezeugte und verschärfte er noch mehr dieDifferenz zwischen Altenstein und dem Kronprinzen. Dieserwar gereizt über die Abweisung, welche wie andere Bestre-bungen der von ihm beschützten „Mystiker", so nun besondersdie Anklagen seines Freundes Gerlach gegen die Rationalistenerfuhren*); glaubte Altenstein den erhaltenden Kräften inStaat und Kirche durch die Förderung der Hegeischen Phi-losophie zu dienen, so erblickte der Kronprinz hierin eineschwere Gefahr. Bei dieser Stimmung von ihm erscheint essehr begreiflich, dass er entschieden sich gegen den vonSchulze vertretenen Gedanken erklärte, Ferdinand ChristianBaur nach Preussen zu ziehen.

In der Ueberzeugung, dass es unmöglich sei, den Ver-lust, welchen 1834 durch Schleiermachers Tod die Berlinertheologische Facultät und die ganze protestantische Kircheerlitten, durch irgend einen anderen einzelnen Theologen zuersetzen, dachte Schulze, für die verschiedenartigen Bedürf-nisse, auf deren Befriedigung „in den mannigfaltigen Kreisender vielumfassenden Thätigkeit" des grossen Theologen esankam, am besten zu sorgen, wenn neben einander als seinNachfolger in seinem Predigtamt an der DreifaltigkeitskircheClaus Harms und in die erledigte Professur Baur berufenwürden. 1821 hatte Schulze bei einer Reise nach Holsteinselbst eine Predigt von Harms gehört und dieser hatte durch„die Gewalt seines religiösen Gefühls, die Lebendigkeit seinesVortrags, die Naivetät seiner rednerischen Wendungen undden Reichthum seiner Sprache" grossen Eindruck auf ihngemacht; „überall, schrieb Schulze damals, wo Harms blossaus dem Gefühl und zu dem Gefühl redete, ergriff er michtief; nicht in dem Grad befriedigte er mich, wenn er be-lehren und zu dem Ende Gedanken entwickeln wollte".

*) Für diese Stimmung des Kronprinzen liefern interessante Be-lege sein im III. Bd. des VII. Jhgs. der Deutschen Bevue S. 2 f. ab-gedrucktes Schreiben und andere noch ungedruckte Briefe von ihm anAltenstein, die unter dessen Papieren im Geh. Staatsarchiv aufbewahrtwerden.