480 Zweites Buch. Drittes Capitel.
ihnen, ist er rechter Art, nicht leiden, da er auch gegen dieZweifel vorhalten muss, welche sich ihnen bei wissenschaft-lichen Erörterungen aufdringen. Sie lernen solche abzu-weisen, wenn sie sich ihrer Ausbildung nach allen Richtungenmit Ernst hingeben und ihr kirchliches Verhältniss festhalten".Er hob dann hervor, wie gerade in den letzten Decennienein kräftigerer kirchlicher Sinn erweckt, wie für seine Be-lebung unter den jungen Theologen vor, während und nachihrer Studienzeit gesorgt, wie Bedeutendes auch für und durchdie Anstellung von Professoren bewirkt sei, die umfassendeGelehrsamkeit mit warmem Interesse für die Kirche ver-bänden. Bei solcher Sachlage widerrieth der Minister ausser-ordentliche Massregeln, "welche „in ihrer Wirksamkeit so sehrmisslich und in ihrem Erfolge so sehr zweifelhaft" seien;ein günstiger Erfolg, erklärte er dagegen, sei zu erwarten,wenn der König seine Ansicht über diese Fragen mit gleichweiser Mässigung und Milde ausspreche, wie sie in seinendankbar aufgenommenen Aeusserungen für die Union her-vorgetreten.
Wohl durfte Altenstein am Schluss seiner Denkschriftäussern, er schmeichle sich, wenigstens in ihr bethätigt zuhaben, dass er sich bemüht eine umfassende Uebersicht desGanzen und Einzelnen zu erhalten und dass es ihm Ernst sei,dem Zweck des Königs zu entsprechen; ausdrücklich wurdeauch von diesem hierzu am Rand bemerkt: „Dieses ist aller-dings anzuerkennen und darf nicht in Zweifel gezogen wer-den". Aber so sehr der Minister in seinen Ausführungen aufdie persönlichen Ansichten seines Monarchen Rücksicht nahm,so zeigte sich doch gerade bei diesem Anlass auch, dass keines-wegs Beider Auffassung völlig übereinstimmte. Allerdingserklärte nach der angestellten Untersuchung auch FriedrichWilhelm III. ein Einschreiten der Regierung gegen die an-geklagten Haller Professoren nicht für angezeigt; in einerzur Veröffentlichung bestimmten Cabinetsordre vom 23. Sept.1830 an Altenstein entsprach er im Wesentlichen den vondiesem gestellten Anträgen, indem er in ihr dieser Erklärungüber die Haller Frage den principiellen Satz hinzufügte:„Ohne übrigens auf die Verschiedenheit der dogmatischen