464 Zweites Buch. Drittes Capitel.
die Vorschläge abgelehnt hatte, die ihm 1810 durch Wilhelmvon Humboldt gemacht waren, wurden in den zwanziger unddreissiger Jahren neue Versuche unternommen, ihn nachPreussen zu ziehen — aber auch sie scheiterten*). Dagegenwurden durch das Ministerium Altenstein die grossen Mathe-matiker angestellt, die neben Gauss, wie Gerhardt hervor-hebt**), „das Principat in der Mathematik" Deutschland er-rangen und mehr als Gauss zu akademischer Lehrthätigkeitgeneigt „die Reformatoren des mathematischen Unterrichtsauf den Universitäten" wurden. Jacobi, der sofort nachseinem Auftreten als mathematischer Docent in Berlin einglänzendes Lehrtalent bekundete, wurde bestimmt, nachKönigsberg zu gehen, wo eine mathematische Professur er-ledigt war, und begründete dann hier die erste mathematischeSchule Deutschlands. Gleichzeitig wurde seinem AltersgenossenLejeune Dirichlet, den Humboldt auf das Wärmste empfahl,mannigfache Förderung zu Theil: nachdem er an dem da-mals glänzendsten Sitz der mathematischen Studien in Parisseine Ausbildung vollendet hatte, erleichterte ihm da*s Mini-sterium den Beginn seiner Lehrthätigkeit in Breslau undversetzte ihn dann 1831 definitiv nach Berlin, wo er schonseit 1828 an der Universität und der Kriegsschule Vor-lesungen zu halten begonnen hatte. Wurden von ihm zuerstVorlesungen über Zahlentheorie an den deutschen Universi-täten eingeführt und seinen und Jacobis Arbeiten die bedeu-tendsten Fortschritte in der Analysis verdankt, so begründeteJacob Steiner, für den bald darauf in Berlin ebenfalls eineProfessur errichtet wurde, die moderne synthetische Geometrie.Er war durch Wilhelm von Humboldt, dessen Sohn er unter-
*) Ausser den von Cantor in der Allgem. Deutschen BiographieVIII, 438 f. erwähnten Versuchen, Gauss nach Preussen zu ziehen, er-scheint anch der unten nach Aufzeichnungen Scbulzes besprochene Planbeachtenswerth, ihn an die Spitze des in Berlin zu gründenden poly-technischen Seminars zu stellen.
**) In seiner Geschichte der Mathematik 246, 269. Ueber Jacobiund Dirichlet vgl. die Gedächtnissreden auf sie in den Abhandlungender Berliner Akademie von 1852 und 1860. Der von Wilhelm vonHumboldt an Schulze gerichtete Empfehlungsbrief für Steiner befindetsich im Besitz des Rath Warnecke in Berlin.