460 Zweites Buch. Drittes Capitel.
der grossen ebenfalls vom Ministerium unterstützten Samm-lung der europäischen Staatengeschichten bei Perthes erschien.„Ich weiss", schrieb er ihm dazu, „dass dergleichen in derRegel als ein blosses Compliment gilt, dass es in IhrerStellung sogar noch öfter vorkommen mag, darin eine blossecaptatio benevolentiae zu erblicken — dass aber Beides hiernicht der Fall ist, dass ich ein wahres und inniges Bedürf-niss gefühlt habe, öffentlich zu zeigen, wie dankbar undherzlich verbunden ich Ihnen zu sein Ursache und ich möchtesagen Veranlassungen ohne Zahl habe, werden Sie mirglauben".
Durch die grossartige Entwickelung der philologisch-historischen Wissenschaft, die das Ministerium Altenstein anden preussischen Universitäten zu fördern sich bemühte,wurden die Hoffnungen erfüllt, ja übertroffen, die Herder inkühnen Seherworten ausgesprochen hatte: auch "der von ihmangeregte Gedanke, die Erde zu betrachten „als eine grosseWerkstätte für Organisation sehr verschiedenartiger Wesen",als das Erziehungshaus der Menschheit ward jetzt mit gründ-lichster Gelehrsamkeit durch Karl Ritter ausgeführt, der 1820ebenfalls nach Berlin berufen wurde. Da Schulze schon inHanau eine Behandlung der Geographie nach PestalozzisMethode gewünscht und auf den Zusammenhang zwischenden Mythen und den kosmischen und klimatischen Verhält-nissen der Völker hingewiesen hatte*), so musste ihn dieWirksamkeit Ritters besonders erfreuen; lebhaft interessirtesich für diesen auch Altenstein; allerdings stiess er auch beiseinen Bemühungen für ihn auf Schwierigkeiten bei demFinanzministerium**), schliesslich wurde aber doch erreicht,
*) S. oben S. 134.**) Altensteins persönliches Interesse für Ritter und seinen Gegen-satz zu dem Standpunkt des Finanzministeriums zeigen die Akten desUnterrichtsministeriums U II, 32 v. I. Vgl. auch Kramer, Ritter II,32 ff., 64 ff.; s. ebenda S. 14ff. über seine Wirksamkeit an der Univer-sität. In Bd. I berichtet Kramer S. 423 über Ritters Beziehungen zuKaroline von Wolzogen, S. 436 ff. über die Bemühungen ihres Mannesfür Ritter und S. 446 über Gneisenaus Wunsch, R. für die Kriegs-schule zu gewinnen; möglich, dass Schulze auch durch diesen undKaroline von Wolzogen auf Ritter hingewiesen wurde.