450 Zweites Bucb. Drittes Capitel.
Schulze schlug die Bedeutung der Thätigkeit der in Bonnwirkenden Forscher und Lehrer der Alterthumswissenschaftum so höher an, da es nicht gelang, „dort ein tieferes philo-sophisches Interesse zu wecken und dadurch den übrigenStudien die höhere Weihe zu geben". Nach seiner Ansicht*)war daher „dort der Philologie die Aufgabe gestellt, auchdie Philosophie mitzuvertreten und besonders durch ihrekritischen Bestrebungen der Wahrheit Bahn zu machen".Von diesem Standpunkt aus begrüsste er mit besondererFreude, wie Niebuhrs und Welckers Vorträge warme Be-geisterung und tiefes Verständniss für das classische Alter-thum weckten und nährten und wie zugleich Heinrich undNäke in dem von ihnen geleiteten philologischen Seminarseine Mitglieder zu gründlichem methodischen Arbeiten an-leiteten. Allerdings bereiteten Heinrichs Rücksichtslosigkeitund Streitlust manche Schwierigkeiten; 1825 kam es zueinem Conflict zwischen ihm und Schlegel und Rehfues, durchden leider auch Niebuhr, der „den herben Bildner und Lehrer"Heinrich besonders schätzte, gegen das Ministerium missge-stimmt wurde**); doch bewies dessen Verhalten auch dies Mal,dass, wie Niebuhr selbst kurz zuvor anerkannt hatte, die Univer-sität einen „Polizeidruck" nicht zu fürchten hatte; im folgen-den Jahr schlug Schulze selbst vor, Heinrich wieder zum Mit-glied der Prüfungscommission zu machen***). Er war davon
*) Sie äusserte er RitBchl gegenüber am Himmelfahrtstag 1845.**) Aeusserungen Niebuhrs hierüber finden sieb ausser in denLebensnaohrichten III, 153 ff. auch in einigen Briefen von ihm anAltenstein aus dem August und September 1825 und dem Februar 182Gim Geheimen Staatsarchiv. Interessante Mittheilungen zur WürdigungHeinrichs sind kürzlich von Heinrici in seinem Buch über TwestenS. 21 ff., 138, 141, 226 ff. veröffentlicht.
***) In seinem vertraulichen Begleitschreiben zu seinen amtlichenBerichten über die Reise, die er 1826 in die -westlichen Provinzenunternahm. Hier urtheilt er u. A. über Schlegel, er sei „ungeachtetseiner kleinen Schwächen und Eitelkeiten, gegen die man in Bonn beiden übrigen grossen Verdiensten des Mannes viel zu wenig tolerantist, sehr liebenswürdig". Schlegels Bemühungen, mit Niebuhr in einfreundliches Vernehmen zu kommen, seien fruchtlos geblieben. Wenndieser trotz seiner Verehrung für Altenstein Massregeln des Ministeriumslaut tadelte, so suchte Schulze den Grund hierfür namentlich darin,