444 Zweites Buch. Drittes Capitel.
Schulze zuerst auf ihn hingewiesen; dann hatte er mitgrossem Interesse seiner Disputation bei seiner Doctorpromo-tion beigewohnt und ihn persönlich bei den Verhandlungen, dieer mit ihm über die Erziehung eines Neffen Altensteins ge-führt hatte, und namentlich bei den Arbeiten schätzengelernt, mit denen er unter seiner Leitung im Unterrichts-ministerium betraut wurde; vor allem aber nahm die Ver-bindung gründlicher philologischer und philosophischer Stu-dien, die in Trendelenburgs Schriften und Vorlesungen sichzeigte, auch Schulze für ihn ein. Erklärt sich der Anschlussdes Wolfschen Schülers an Hegel nicht zum wenigsten ausdem Verständniss und der Förderung, die bei diesem seinehumanistischen Bildungsideale fanden, ist umgekehrt seinund seines Ministers Urtheil über Herbart zu dessen Un-gunsten durch die Verschiedenheit seiner pädagogischen Rich-tung von der ihrigen beeinflusst*), so begrüsste es Schulzemit Freude, wie Trendelenburg seine Hochschätzung philo-logischer Forschung aussprach und bethätigte. Nur wennsie auf den Universitäten gefördert wurde, waren SchulzesBestrebungen auf den Gymnasien durchzuführen; nach seinemBildungsgang wie nach der Entwickelung des deutschenGeisteslebens in den letzten Jahrzehnten war zu erwarten,dass er bei der Verwaltung der Universitäten die Bemüh-ungen Humboldts und Süverns für die Studien fortsetzenwerde, die er bei seinem Eintritt in Berlin dort in hervor-ragender Weise "namentlich durch seinen alten Freund Böckhvertreten fand.
Ist Schulze erst als gereifter Mann zu Hegel in nähereBeziehung gekommen, so hatte er schon als Student inHalle mit seinem gleichalterigen Studiengenossen Böckh eineenge Verbindung geschlossen; an ihr haben Beide währenddes halben Jahrhunderts festgehalten, während dessen siezusammen in Berlin gelebt und gewirkt haben, und wieSchulze nach dem Tode des Freundes schrieb**), hat kein
*) „Für einen Mann wie Herbart merkwürdig unklares Gutachten":bemerkte Altenstein am Rand der ihm 1831 eingesandten Ausführungendes Königsberger Philosophen über die Abiturientenprüfung.**) In einem Brief an F. Ritschi vom 28. Okt. 1867.