Druckschrift 
Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
Seite
436
Einzelbild herunterladen
 

436 Zweites Buch. Drittes Capitet.

Aufforderung die Begründung einerkritischen Zeitschrift derLiteratur" in Berlin anzuregen, die von den vorhandenenRecensiranstalten" sich wesentlich unterscheiden sollte. Alsihre Aufgabe bezeichnete er nämlich, nur solcheinländischeund ausländische Werke, welche für die Wissenschaften undfür Kenntnisse eines umfassenden Interesses einen wirklichenWerth haben, zum Gegenstande der Beurtheilung zu machenund sie vornehmlich mit dem Zweck anzuzeigen, ihren In-halt zur allgemeinen Kenntniss zu bringen, dagegen das Ge-wöhnliche, Beschränkte, Mittelmässige und Schlechte, dasnur eine negative Kritik erleiden könnte, unbeachtet zulassen"; in einem ausführlichen Schreiben an das Ministeriumentwickelte er, wie werthvoll es für Leser und Mitarbeiterder Zeitschrift sein würde, wenn sie darauf ausginge, dasPublikummit den Fortschritten der Wissenschaft und nichtmit der Ueberlegenheit der Becensenten bekannt" zu machen,und wie die zur Erreichung dieses Zweckes nöthigen Ein-richtungen in der preussischenHauptstadt, dem Sitze derAkademie der Wissenschaften und der Hauptuniversität" ge-troffen werden könnten und müssten. Er schlug vor, dassdie Bedaction nicht einem Einzelnen, sondern einem Colle-gium anvertraut und diesem die Würde einer Behörde über-tragen, das literarisch-kritische Institut wie das französischeJournal des Savants zur Staatsanstalt gemacht, dabei aber,um die Unabhängigkeit des direkten wissenschaftlichenZweckes fortwährend vor dem Publikum zu vergewissern",jeder Abhandlung der Name des Verfassers beigesetzt würde*).Mit Hegels Absicht einer Besserung desöffentlichen Be-urtheilungswesens" waren nun Altenstein und Schulze durchauseinverstanden; sein Plan, zu diesem Zweck eine Staatsanstaltzu errichten, stiess aber nicht nur auf grosse Schwierigkeiten

*) S. Hegels Schreiben an das Ministerium in seinen WerkenXVII, 368 ff. Sein ebenda S. 532 ff. abgedruckter Brief an Gans istzusammen mit den in ihm beantworteten Bulletins von Gans neuer-dings wieder veröffentlicht von K. Hegel (Briefe von und an HegelII, 212) und dabei von diesem die Erzählung von Gans über die Stif-tung der Jahrbücher in seinen Rückblicken S. 215 ff. kritisirt; vgl. auchRosenkranz, Hegels Leben S. 389 ff.